Against Your Society – Worlds Unknown

Musikrichtung Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
6

Against Your Society sind die letzten Überbleibsel einer Generation von deutschen Hardcore-Bands, die vor fast einem Jahrzehnt die Clubs und Jugendzentren der Republik in Schutt und Asche gelegt hat. Ritual, Black Friday 29, Empty Vision, und wie sie nicht alle hießen, haben bereits das Zeitliche gesegnet. Inzwischen in den Mittdreißigern angekommen, sieben Jahre nach ihrem letzten Album „Eroded By The Breeze“ und drei Jahre nach einer Split mit Empowerment, melden sich AYS zurück. Und die Urgesteine des modernen deutschen Hardcore-Punk klingen mit „Worlds Unknown“ frischer denn je!

Nach über einem Jahrzehnt Bandgeschichte kann man sich so einiges erlauben: Bereits 2014 überraschten AYS mit einem gelungenen Cover des Toten Hosen-Hits „Liebeslied“ und so ist auch „Worlds Unknown“ für die ein oder andere Überraschung gut. Ob es nun die deutschsprachigen Lyrik-Fetzen von Jogges (Empowerment) oder Marcel (Abfukk) in „Floodgates“ und „Dog Pound“ sind oder der cleane Gesang im recht poppigen „Frost“: AYS haben gewagt und gewonnen. „Worlds Unknown“ ist das vielseitigste Album in der durchaus langen Diskrographie der Düsseldorfer.

Knapp 35 Minuten, die von mantra-artigen Klängen („Suns Of Light“) bis zu klassischem Auf-die-Fresse-Hardcore reichen („Stench“, „Twisted Thoughts“). Dafür, dass das Ganze trotzdem stimmig wirkt, ist das asiatisch angehauchte Flair des Albums verantwortlich, welches sich nicht nur im grandiosen Artwork, abermals gestaltet von Sänger Florian Schommer, niederschlägt: Immer wieder tauchen Versatzstücke in den Songs auf, die den Hörer eine Nase weit in die Mystik Asiens eintauchen lassen. Ein Konzeptalbum ist „Worlds Unknown“ aber nicht. Viel mehr ein Sammelsurium an Erinnerungen, welche die Band unter anderem von ihren inzwischen schon zwei Touren durch Asien mitgebracht hat.

Nach über einem Jahrzehnt an der Hardcore-Front könnte man meinen, AYS wären nicht mehr so ungestüm wie noch zu Zeiten von „The Path Of Ages“. Dass die Band nun bei den Impericon Festivals auftritt und bei einem Label untergekommen ist, welches auch Platten von Stick To Your Guns vertreibt, wird den bösen Zungen, die behaupten, dass das aber nicht Punk sondern Kommerz sei, gewiss noch mehr Zündstoff geben. Aber jeder der so denkt, ist falsch gewickelt: AYS sind und bleiben AYS. Auch wenn „Worlds Unknown“ vielseitiger, vielleicht auch ein bisschen mainstreamiger geworden ist als die bisherigen Platten der Band, so ist es durch und durch eine Hardcore-Platte mit Ecken und Kanten. Eine Platte mit ungeheurem Biss, die wieder einmal zeigt, wer schon seit Jahren die Hosen im deutschen Hardcore anhat.

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

Kommentare

  3 kommentare

  1. Yung Ingwer Callsen Brakker

    Auf dem Album heißt doch gar kein Track „Frost“!? 😀

  2. Jannik Holdt

    Uns wurde eine Tracklist mit teilweise anders benannten Songs gesendet. „Lingchi“ hieß darauf „Frost“.

  3. Yung Ingwer Callsen Brakker

    Ah, alles klar. Bester Track auf dem Album, finde ich!

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