Alkaline Trio – Is This Thing Cursed?

Musikrichtung Punkrock
Redaktion
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6

Endlich, da war sie, die Nachricht, auf die alle Fans von Alkaline Trio gewartet hatten. Nach fünf Jahren erscheint endlich der Nachfolger zu „My Shame Is True“. Was die Vorfreude auf „Is This Thing Cursed?“ allerdings sehr trübte, waren die nicht enden wollenden Diskussionen um Matt Skibas Engagement bei Blink 182, wo er seit 2015 den ausgeschiedenen Tom DeLonge ersetzt, und nicht zuletzt ob sich das Doppelengagement des Gitarristen und Sängers negativ auf ein neues Album der Morbid-Punks auswirken würde.

Nach zehrenden fünf Jahren braucht es noch genau zehn Sekunden bis das Alkaline-Trio-Fanherz endlich wieder mit frischem Blut versorgt wird. „Is this thing cursed? This goddamn thing’s the worst. Now one look in that direction. And everything starts to hurt.“ Getragen von sanftem Klavierspiel tritt hier, nein, eben nicht Matt Skiba, sondern erstmal Dan Andrianos Gesang in den Vordergrund – und spätestens jetzt dürfte dem Letzten klar werden, wen man nach den ganzen Diskussionen um Skiba sträflich vernachlässigt hat.

Ein Trio machen in diesem Fall immerhin immer drei Musiker aus, und dass Dan Andriano und Derek Grant mindestens genau so viel zum Trademark-Sound der Band beitragen, wie eben jenes Blink-182-Mitglied, dürfte außer Frage stehen. Und sie demonstrieren auch auf Album Nummer Neun wieder ihre Einheit. Denn nach knapp einer Minute Laufzeit stoßen die anderen zwei Drittel zu Adriano hinzu. Das Trio ist wieder vereint und lässt im nach der Platte benannten Opener keinen Zweifel daran, dass hier wieder alles ist, wie gewohnt. Wobei, ist hier wirklich alles beim Alten, nein, eben nicht, das hier klingt viel frischer und energiegeladener, als was auf den letzten Alben abgefeiert wurde. Keine zähen Ausflüge mehr.

Das Alkaline Trio verpasst sich selbst eine Frischblutkur und strebt wieder alte Hochform an. Und das, obwohl für die Aufnahmen zum neuen Album fast keine Zeit war. Darum entstanden die meisten Songs direkt im Studio. Ein Glücksfall, wie man deutlich hört, denn hier scheint den Herren vieles leichter von der Hand zu gehen. In „Blackbird“ spielen die Jungs so unbeschwert auf, dass man sich unweigerlich um gute fünfzehn Jahre zurückgeworfen fühlt – und das nicht im negativen Sinne. Wen „Maybe I’ll Catch Fire“ und „From Here to Infirmary“ ins Schmachten versetzt hatten, darf jetzt die Reißzähne blecken, um sich voll und ganz in „Is This Thing Cursed?“ zu verbeißen. Die Songs wabern richtig gut ins Ohr und halten die Balance zwischen melodiegeschwängerten Pop-Momenten und raueren Punkrock-Spurts. Das ist die süß sportliche Melancholie, die man von den Herren hören will.

Unverändert bleiben die Songtexte. Denn ja, bei denen dreht sich immer noch alles um Blut, Verstümmelung und all die Themen, die man beim gemeinsamen Essen mit der Familie besser verschweigt. Dabei übermittelt die Band ihre bizarren Texte noch immer in einer solch düster-romantischen Stimmung, dass man wie von selbst und ganz selbstverständlich den Hals für den nächsten Song frei macht.

„Is This Thing Cursed?“ ist absolut gelungen – und vor allem Fans der frühen Tage dürften hier auf ihre Kosten kommen. Wer Angst hatte, dass Teile der Band sich lieber auf andere Felder konzentrieren würden, dürfte mit dem neuen Album mehr als nur besänftigt sein. Die Band weiß genau, wo ihre Stärken liegen und spielt diese ohne Schnörkel aus. Keine Experimente – und das ist in diesem Falle auch gut so. Bewährt ist beim Alkaline Trio immerhin viel mehr als nur Standard – und Vampire muss man auch nicht für jeden Horrorstreifen neu erfinden. Bleibt nur noch zu sagen: Hurra, sie fliegen wieder.

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
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