Ancst – Ghosts Of The Timeless Void

Band Ancst
Redaktion
Lesermeinung
5

Angeschwärzter Crust ist gerade im härteren (deutschen) Untergrund das Ding der Stunde. Doch hat man, außer dass man sich auf die Fahne schreibt nicht so „böse“ und „trve“ wie die norwegischen Initiatoren des Genres zu sein, auch musikalisch etwas zu bieten? Ancst aus Berlin haben bislang diesen Aspekt jedenfalls vermissen lassen. Ohne Zweifel waren ihre bisherigen Werke (und diese sind mitsamt etlicher Splits zahlreich) immer von guter Qualität, ein wirkliches Ausrufezeichen war aber nicht dabei.

„Ghosts Of The Timeless Void“ startet mit dem furiosen „Dying Embers“ und setzt damit sofort den Ton für die kommende Dreiviertelstunde. Tremolo-Gitarren treffen auf hämmerndes Schlagzeug und Hardcore-Shouts. Gerade an diesen kann sich der gemeine Hörer, der eher schwarzmetallischen Gefilden zugewandt ist, sich stoßen. Sänger Tom bricht mit seinem Gebrüll die kaltnordische Stimmung auf. Dies mag Stücken wie „Concrete Veins“, „Of Gallows And Pyres“ oder „Qicksand“, dank deren Hardcore-Rhythmik gut zu Gesicht stehen, kann in „Revelation Of Deformity“ oder „Sanctity“ aber auch die Atmosphäre brechen. Hier wirken sie ein wenig zu monoton und können nicht ihre volle Wirkung entfalten.

Instrumental wissen Ancst dabei über die komplette Spielzeit zu überzeugen. Mit Wucht und Vehemenz fegen die Berliner über den Hörer hinweg. An den richtigen Stellen eingestreute Melodien sorgen für Wiedererkennungswert, passende Rhythmuswechsel für Abwechslung. Erstaunlich dabei: Ancst verzichten auf ihrem zweiten Langspieler nahezu komplett auf Ambient- oder Post-Rock-Elemente, die man in diesem Genre sonst oft vorfindet. Einzig einige Zwischenspiele, wie in „Dysthymia“ oder „Sancity“, geben Raum zur Erholung. Neues schafft man dabei nicht. Eher nimmt man verschiedene bekannte Versatzstücke aus Black Metal, Crust sowie Hardcore Punk und mischt diese zu einem gut austarierten Cocktail.

Was soll man also aus diesem Werk machen? Ancst agieren erneut auf hohem Niveau, verpassen es jedoch einen wirklich bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Neben der angesprochenen Thematik bezüglich des Gesangs fehlt den Berlinern, trotz ihrer angesammelten Erfahrung das der letzte Funke Eigenständigkeit und Innovation, der „Ghosts Of The Timeless Void“ zu etwas richtig großem werden lässt. So schwimmt man weiterhin im gefühlten Wasser von Celeste oder (wenn es heimisch sein soll) Der Weg einer Freiheit.

Autor Manuel Stein
Wohnort Kahl am Main
Beruf Business Analyst
Dabei seit Januar 2018
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews
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