Spätenstens als das Intro vorbei ist und der erste Song beginnt merkt man: hier ist eigentlich alles beim alten geblieben. Die Frankfurter von Antitainment zeigen sich auch auf ihren dritten Album “Ich kannte die, die waren die noch real” von ihrer besten Seite. Da werden Metal- und Hardcore-Guitarrenriffs mit abgedrehten Keyboard- und Sythesizer-Klängen gemischt, dazu gibts zwischen Sprechgesang und Geschrei alles, und wenn es sein muß spield das Schlagzeug auch mal Blastbeats.
Ob man das nun Punk, Hardcore oder Nintendocore nennen will ist im Grunde auch egal – auf die Überschreitung von Genregrenzen hat es die Band ja grade abgesehen. Die immer wieder experimentelle und überraschende Musik ist aber nur die eine Hälfte. Die andere besteht aus den Texten der Band die sich wie kaum eine andere Kritik an den ganzen Palette der Jugendkulturen übt, und auch grade der Punk- und Hardcoreszene den Spiegel vorhält. Viel hat sich nicht getan im Vergleich zum Vorgänger. Man merkt jedoch das die Band etwas gereift ist. Besonders der Einsatz von Orgel und Synthesizer wirkt verfeinert und die Guitarre klingt noch etwas fetter. Aber da ist kein Stilbruch, jeder Song hätte so auch auf “Nach der Kippe Pogo” von 2007 sein können. Auch textlich bliebt die Band ihrer Linie treu, nimmt die Aushöhlung von DIY Strukturen und jammende Musiker ins Visier. Und natürlich sich selbst. Einen Unterschied gibt es dabei dann aber doch. Es scheint als hätte die Band die ihr typische Selbstironie (“Viel besser als Deine Band”) gegen ein hohes Maß an Selbstreflexion eingetauscht (“Ist das jetzt der Hit?”). Das Thema wie es denn ist in einer Band zu sein – und sich den eigenen und fremden Ansprüchen zu stellen – zieht sich durch das ganze Album. Scheitert man wenn man nicht zwangsläufig was neues macht? (“Alle haben alles schon gehört”) Wie geht man mit Produktionszwang und Ausverkaufsvorwüfen um? Ist DAS noch Punk? An die Stelle des Rundumschlages (“Anti alle Anderen!”) tritt die Selbstbetrachtung. Die ist zwar genauso sarkastisch und kritisch, aber die Pointen sind nicht mehr so lustig und treffsicher. So bleiben dann nach dem Durchhören der Platte nur einige wenige Textzeilen hängen. Die vorherigen Alben zeichneten sich dadurch aus das es mehr Stellen gab die begeisterten und erinnerungswürdig sind. Kurzum: Es ist alles da was man an einem Antitainment Album mag, aber es kann einfach nicht mehr so mitreißen wie “Nach der Kippe Pogo” und “Cooler Plattentitel.”
Bleibt noch zu klären woran das liegt? Daran das man tatsächlich alles schonmal gehört hat, oder sind die Songs tatsächlich schlechter? Jedenfalls verkündet die Band im Intro sie sei den Erwartungen nicht gerecht geworden und beendet die Platte mit der Aussicht “Da kommt nicht mehr viel!” – Seltsamerweise scheint es so als hielte dem Review damit einen Spiegel vor – und das ist dann schon wieder 100% Antitainment wie man sie lieben muss.
Antitainment ist eine deutschsprachige Hardcore-Band aus Bad Vilbel. Ihre Musik besteht aus meist leichten und schnell zusammengewürfelt klingenden, aber dennoch intelligenten, hochironischen Texten und durchgehendem Synthiegeballer. Ihre erste EP war "World Tour '84", danach kam die Debut-EP "Gymnasiastik" mit "Autonom". Danach folgte das erste richtige Album namens "Cooler Plattentitel". 2007 erschien der Nachfolger "Nach der Kippe Pogo!?". Zwischenzeitlich wurden Gerüchte laut, dass die Band kurz vor der Auflösung stände, welche dann aber auf der darauf folgenden Tour dementiert wurden.




Hinterlasse einen Kommentar