Architects – All Our Gods Have Abandoned Us

Band Architects
Musikrichtung Metalcore
Redaktion
Lesermeinung
6

Irgendwie weist Hype die Charakterzüge einer hinterlistigen Schlange auf, die dir in den Arsch beißt, sobald ihr dein Gesichtsausdruck nicht passt. Denn so schön es als Musiker auch ist, bereits Monate vor Release zu hören, wie krass dein neues Album wird, bleibt dennoch auch die Erkenntnis, dass man damit auf einem ziemlich schmalen Grat wandelt. Ein Grat auf dem schon so manche Band ausgerutscht und in die Tiefe gestürzt ist.

Auch die Erwartungen an „All Our Gods Have Abandoned Us“ waren, vorsichtig ausgedrückt, im messbaren Bereich. Bedingt wohl auch durch den gefeierten Vorgänger „Lost Forever // Lost Together“. Mit den vorab veröffentlichten Singles „A Match Made In Heaven“ und „Gone With The Wind“ wurde aber schnell klar, dass ein Ausrutscher eher unwahrscheinlich ist.

Die Begrüßung der Briten fällt ohne Umschweife und mit einem beherzten Tritt in die Magengegend aus. We are beggars/ We are so fucking weak/ And once upon a time we had the world at our feet/ Well, we’re all dying to meet our maker/ But all our Gods have abandoned us“, brüllt Sam Carter klagend ins Mikrofon. Und ja, so soll es auch weitergehen. Wütend, ohne Kompromisse – und das mit Recht!

So rechnet „A Match Made in Heaven“ mit der kriegsbejahenden Außenpolitik ab, der viel zu viele Staaten scheinbar gewissenlos nachgehen. „You chew up peace and spit it out as war.“ Zum Nachdenken regen ebenfalls die Zeilen am Ende von „Nihilist“ an. „I found God clutching a razor blade/ He said „Look at the fucking mess they’ve made/ They’d trade their hearts if they were made of gold/ But they’re as worthless as the souls they sold“.

Dabei mischt sich auch immer wieder eine gewisse Traurigkeit und Melancholie unter die stürmische Soundkulisse, sei es durch die atmosphärischen Melodien im Hintergrund, oder die wohldosiert eingesetzten Clean-Vocals. In Kombination mit letzteren bieten Architects nämlich immer wieder kleine Verschnaufpausen an, die überdeutlich machen, dass die Gruppe sehr wohl auch die ruhigen Töne beherrscht. Das Schönste dabei ist, dass dies nie gezwungen, nie berechnet wirkt.

Im Vergleich zum Vorgänger ist das Album etwas weniger auf Eingängigkeit getrimmt. Mehr als auf „Lost Forever // Lost Together“ wirken die Songs wie ein großes Ganzes und bieten viele Facetten zum Entdecken an.

Architects haben also mit „All Our Gods Have Abandoned Us“ ein sehr erwachsenes und durchdachtes Album mit Tiefgang kreiert, das definitiv auch auf Dauer zu Fesseln weiß. Und so bleibt den Architects wohl vor allem ein weiterer Begleiteffekt des Hypes – massig Publicity.

Autor Joshua Claaßen
Wohnort Goch
Beruf Schüler
Dabei seit Oktober 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews
Top-Alben Ständig im Wandel, zu meinen Favoriten gehören aber auf jeden Fall: Stick To Your Guns - Diamond, Being As An Ocean - How We Both Wondrously Perish / Dear G-d, The Ghost Inside - Get What You Give, The Amity Affliction - Let The Ocean Take Me
Die besten Konzerterlebnisse Kann ich mich nicht festlegen, Stick To Your Guns und Being As An Ocean sind live aber immer ein absolutes Highlight!

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