Arctic Monkeys – Tranquility Base Hotel & Casino

Musikrichtung Indie-Rock
Redaktion
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Fünf Millionen Mal hat sich „AM“, das letzte Album der Arctic Monkeys, verkauft. Das ist mittlerweile knapp fünf Jahre her, mit Spannung war daher das neue Werk der Briten erwartet worden. Zumal es keine Vorab-Singles gab, nur einen Live-Auftritt in San Diego und die Ankündigung diverser Pop-Up-Stores mit exklusivem Merchandise rund um die Welt.

Doch worum hat die Indie-Rock-Band um Sänger Alex Turner so ein Geheimnis gemacht? Fest steht: Es sind ganz neue Töne, die die Musiker auf „Tranquility Base Hotel & Casino“ anschlagen. Fast scheint es so, als habe sich Turner mit seiner Vorliebe für loungige 60er-Jahre-Einflüsse (man denke nur an Songs wie „Cornerstone“ oder „No. 1 Party Anthem“) durchgesetzt. Klavier und Vibraphon treten in den Vordergrund, E-Gitarren sind kaum noch zu hören und eher Beiwerk als Hauptbestandteil – ein deutlicher Unterschied zu den vorherigen Alben. Im Hintergrund wabert das Schlagzeug in monotonen Rhythmus vor sich hin. Und auch Turners Stimme klingt mit typischem Hall nach und der 32-Jährige bringt seine Gedanken fast schon selbstironisch näher:

„I just wanted to be one of The Strokes, now look at the mess you made me make.“

Auch mit Soundeffekten sparen die Arctic Monkeys dieses Mal nicht, wie im Rausch nimmt der Hörer diese wahr. Das wird besonders auf dem Titeltrack „Tranquility Base Hotel & Casino“ deutlich. Einfache Klavier-Kadenzen werden von Bass, E-Gitarre und Vibraphon kunstvoll umspielt – mitunter einer der virtuosesten und eingängisten Tracks des Albums. Auch auf „One Point Perspective“ ordnen sich die Gitarren unter und machen der poppigen Klaviermelodie Platz. Psychedelisch wird es zudem auf „Four out of Five“, ein Hauch von den Helden der 60er wie Jimi Hendrix oder Jim Morrison scheint durch. Leider klingen die Songs nach einiger Zeit sehr eintönig und sind auch nicht für jede Stimmung geeignet, es ist definitiv kein Album, um es eben schnell nebenbei zu hören. Und doch lohnt es sich, sich Zeit zu nehmen und bei den ausgeklügelten Arrangements genauer hinzuhören.

Die Platte ist definitiv keine leichte Kost. Mit „Tranquility Base Hotel & Casino“ haben die Arctic Monkeys die Experimente früherer Songs auf einem ganzen Album heausgebracht und sich gänzlich von ihrem dreckigen Indie-Rock der 00er Jahre abgekehrt. Damit sind sie ein Wagnis eingegangen, mit dem manche Fans vielleicht nicht so viel anfangen können. Es ist auf jeden Fall ein Album, das man mehrmals hören muss, um seine volle Wirkung zu verstehen. Dennoch durchaus gelungen!

Autor Denise Frommeyer
Wohnort Mainz
Beruf Redakteurin
Dabei seit November 2014
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