At The Drive-In – In-ter a-li-a

Label Rise Records
Musikrichtung Post-Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
7

Anfang 2016 sorgte eine Nachricht für Aufsehen: Alte Post-Hardcore-Haudegen überfiel ein nervöses Zittern, in den Proberäumen des Post-Hardcore-Nachwuchses setzte Schnappatmung ein und Fans der ersten Tage drohte ein ernsthafter Bewusstseinsverlust. 17 Jahre nach ihrem Meilenstein „Relationship of Command“ sollten die Post-Hardcore-Ikonen At The Drive-In doch tatsächlich ein neues Album aufnehmen. Jetzt ist es da. Kann „In-ter a-li-a“ an alte Hochzeiten anknüpfen?

Auf jeden Fall ist der Trau Wirklichkeit geworden: Nach der Auflösung in 2001, den Nachfolgeprojekten The Mars Volta, Sparta und Antemasque und ersten Reunion-Konzerten in 2012 sind At The Drive-In tatsächlich wieder zusammen. Einziger Wer­muts­trop­fen schien die Trennung von Gitarrist und Gründungsmitglied Jim Ward zu sein. Wäre da nicht noch das Überalbum „Relationship of Command“, an welchem sich die Herren um die Masterminds Bixler-Zavala und Rodriguez-Lopez messen lassen müssen. Und wohl jeder, der dieses Album zu einem der prägenden seiner Jugend zählt, weiß noch genau (der Autor dieser Zeilen eingeschlossen), wie er die Platte gekauft hat, von der unbändigen Wucht eines Songs mit Namen „One Armed Scissor“ fast zermalmt wurde oder von der Tragkraft des Videos zum desillusionierenden „Invalid Litter Dept.“ eine schier unbändige Wut verspürte.

Diese mitreißende Kraft haben At The Drive-In glücklicherweiße nicht eingebüßt. Und wer befürchtete, dass „In-ter a-li-a“ zu sehr unter dem Einfluss von The Mars Volta oder Sparta stehen könnte, dessen Ängste werden bereits im Opener „No Wolf Like The Present“ zerschlagen. Die neuen Songs atmen so viel Punk, als würden die Akteure nochmal am Anfang ihrer Karriere stehen. Puristisch ist das dennoch nicht. Die Lieder profitieren von komplexen Harmonien und irren Gitarrenläufen, wie sie nur At The Drive-In auf die Hörer loslassen können. Die Herren zaubern hier mal wieder ein neues Benchmark für die Post-Hardcore-Landschaft der 2010er Jahre auf die Bretter – wie aus dem Nichts. Kaum eine Band schafft es so ungehemmt zu Werke zu gehen und dabei doch den Faden für die Struktur nicht locker zu lassen. Nicht auszumalen, wie dieses Album über die Jahre noch wachsen wird. Eines ist jedoch klar: Die besten Zeiten von At The Drive-In sind noch nicht vorbei. Und wenn im abschließenden „Hostage Stamps“ das impulsive Geschrei einsetzt, ist nochmal für einen kurzen Augenblick 2000.

„In-ter a-li-a“ reiht sich so perfekt in die makellose Bilanz der Atd-i-Diskographie ein. Das Album strotzt vor Durchschlagskraft und Emotionalität – als wären die Jungs niemals weg gewesen. Für Fans mehr als nur ein Aufatmen, sondern ein Anlauf zu neuen Gipfelstürmen. Wenn das nächste Album nochmal so einschlägt, sollte man sich Gedanken darüber machen, welche dunklen Kräfte At The Drive-In heraufbeschwören, um solche Songs hervorzubringen. Chapeau!

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews
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