August Burns Red – Phantom Anthem

Musikrichtung Metalcore
Redaktion
Lesermeinung
6

Die Architects, While She Sleeps und auch Parkway Drive mit ihrem neuesten Werk frischen den von so manchem schon für tot erklärten Metalcore aktuell gehörig auf. August Burns Red dagegen bleiben lieber dem Bewährten treu. Trotzdem zählen sie zusammen mit dem genannten Trio zweifelsohne zum Besten, was das Genre zu bieten hat. Denn die Art und Weise in der August Burns Red ihre Songs zelebrieren, kratzt schonmal gerne an der Perfektion. „Phantom Anthem“ klingt bei weitem nicht so frisch und unverbraucht wie etwa das zurecht hochgelobte „You Are We“ von While She Sleeps. Dennoch kann die musikalische Qualität des nunmehr achten Studioalbums kaum geleugnet werden.

August Burns Red bringen ihr Album auf eine Spiellänge von ganzen 53:48 Minuten, verteilt auf „nur“ 11 Songs. Dabei verzichten sie auf ein simples Strophe-Refrain-Schema und konstruieren lieber komplexe Songstrukuren, ohne aber an irgendeiner Stelle Verwirrung zu stiften. Entsprechend sind Hooks, wie etwa in „Hero Of The Half Truth“ oder „Float“, die gleich beim ersten Hören hängen bleiben, nicht unbedingt in jedem Stück zu finden. Das haben August Burns Red tatsächlich aber auch gar nicht nötig, denn die Erfahrung der Herren ist stets hörbar: Trotz der langen Spielzeit und teils arg langen Songs, langweilt das Songwriting zu keiner Zeit. Vielmehr gibt es abwechslungsreiche Gitarrenarbeit zu genießen, welche mal energisch und kantig, im Zusammenspiel mit knüppelnden Drums, den Song nach vorne drückt. Aber auch melodiös und harmonievoll den harten instrumentalen und stimmlichen Kern umschweben kann.

Wohlige Gefühle der musikalischen Erhabenheit und entschlossene Geradlinigkeit bei brachialem Tempo liegen mitunter nicht weit auseinander. Die fast episch anmutende Kombination aus kraftvollem, entschleunigtem Drumming, verträumten Riffs und mehrstimmigem Gesang in „Float“ etwa, endet relativ zeitnah in einem wüsten Double-Bass-Gewitter. August Burns Red brauchen nunmal auch keine großen Chöre, ausladende Refrains oder aufwendigen Sampler, um große Emotionen zu wecken. Dazu reicht ihnen einzig ihre musikalische Raffinesse und das Wissen, diese richtig einzusetzen. „Phantom Anthem“ spiegelt dieses Können einmal mehr wieder.

Autor Joshua Claaßen
Wohnort Goch
Beruf Schüler
Dabei seit Oktober 2015
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Top-Alben Ständig im Wandel, zu meinen Favoriten gehören aber auf jeden Fall: Stick To Your Guns - Diamond, Being As An Ocean - How We Both Wondrously Perish / Dear G-d, The Ghost Inside - Get What You Give, The Amity Affliction - Let The Ocean Take Me
Die besten Konzerterlebnisse Kann ich mich nicht festlegen, Stick To Your Guns und Being As An Ocean sind live aber immer ein absolutes Highlight!

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