Baroness – Gold & Grey

Album Gold & Grey
Band Baroness
Musikrichtung Progressive Metal
Redaktion
Lesermeinung
8

Der Leitspruch „Never change a winning team“ mag sich oft bewahrheiten, auf Baroness trifft er allerdings so gar nicht zu. Bleibt die Band aus Georgia auf ihrem neuen Album „Gold & Grey“ zwar wieder einmal dem bewährten Farbkonzept der Vorgängeralben treu, ist von der Urbesetzung lediglich Sänger, Gitarrist, Multi-Instrumentalist und Cover-Künstler John Dyer Baizley übrig. Kann er die Erfolgsgeschichte der Vorzeigeband weiterspinnen?

Baizley ist offenbar zumindest niemand, der auf altbewährte Regeln pocht und allzu bescheiden daherkommt. Wie er unlängst in einem Interview erklärte, sei es das Ziel, immer anspruchsvollere, ehrlichere und fesselndere Musik zu schreiben und einen einzigartigeren und anspruchsvolleren Sound zu entwickeln. Und weiter:

„Wir sind unglaublich in die Tiefe gegangen und haben eine Platte aufgenommen, von der ich überzeugt bin, dass wir sie nie wieder replizieren können. Sebastian, Nick und Gina haben mich dazu gedrängt, ein besserer Songwriter, Musiker und Sänger zu werden!“

Dieser Ritterschlag für die Rhythmussektion aus Nick Jost (Bass) und Sebastian Thomson (Schlagzeug) kommt nicht überraschend, waren die beiden doch schon am Vorgänger „Purple“ an Bord. Für Gitarristin Gina Gleason ist es allerdings der erste Longplayer mit ihrer neuen Band – und offensichtlich wusste sie den Leader nicht nur mit ihrem bezaubernden Backgroundgesang zu begeistern. Baizley setzt aufs Kollektiv, sieht sich nicht als Alleinherrscher. Und das tut dem Sound gut, breiten Baroness doch ihre Flügel aus und erobern ein weiteres und bisher noch nicht beschrittenes Klangspektrum. Auf „Gold & Grey“ verschmelzen sie die beiden Vorgängeralben „Yellow & Green“ und „Purple“ zu einer eleganten Melange, der in jeder Sekunde das Trademark Baroness anhaftet, ohne dass dabei nur aus den alten Platten zitiert wird. Den Sound des viel gelobten „Purple“ einfach zu wiederholen wäre ja auch zu einfach gewesen.

Dabei bleibt doch eine Konstante erhalten: Beim Sound setzt die Band auf einen alten Bekannten: Dave Fridmann (The Flaming Lips, Mercury Rev) saß bereits beim Vorgängeralbum hinter den Reglern. Dennoch atmet „Gold & Grey“ verschiedene neue Stilelemente aus Jazz, Krautrock und auch im Black Metal bedient sich die Band. In „Borderlines“ wird dann mal ganz frech in Richtung Thin Lizzy gelinst, während „I’m already gone“ mit überragendem Bass- (das in mehreren Songs einfach nur fantastisch ist) und Glockenspiel punktet.

Weniger Stadion, mehr Avantgarde – zumindest für Baroness-Verhältnisse. Dabei fällt auf, dass sich der glatte Gesang etwas vom kernigeren Sound der Instrumente trennt, ohne dass beide wie Fremdkörper nebeneinander herlaufen. Vielmehr entstehen hier interessante Kontraste durch Baizleys unverkennbaren , ja stellenweise hymnenhaften Gesang, der über allem zu thronen scheint.

Baroness wissen auch auf „Gold & Grey“ zu überzeugen und liefern mit 17 (!) Songs (inklusive einiger Interludes) ein weiteres Brett, das ihre Vormachtstellung im Genre untermauert und die Farbpalette der Band erweitert, die nach Aussagen der Band mit „Gold & Grey“ auch ihr Ende finden soll. Keine weiteren farbigen Konzeptalben. Dafür ist diese grandios und zunehmend maßlos – im positiven Sinne. Ein genialer Schlusspunkt. Da darf man gespannt sein, was in Zukunft noch bedient werden wird. Einziger kleiner Makel: So über allem erhaben wie beim roten und beim blauen Album waren Baroness seither nie wieder. Aber das ist wirklich jammern auf allerhöchstem Niveau.

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
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