Basement – Beside Myself

Band Basement
Musikrichtung Alternative-Rock
Redaktion
Lesermeinung
5.3333333333333

„Beside Myself“ ist das Majorlabel-Debüt einer Band, die es nie schwer hatte ihre Fans zu überzeugen. Mit diesem Album aber könnte sich das ändern. Basement verlassen mit ihrem vierten Longplayer ihre Komfortzone und setzen Kurs Richtung Mainstream. Ihr neues Label, Fueled By Ramen, dessen Teil illustre Namen wie Paramore oder Fall Out Boy sind, tut sein übriges.

Den Anfang auf „Beside Myself“ macht das bereits rund zwei Monate vor Release veröffentlichte „Disconnect.“ „Disconnect“ ist ein Song, der für geneigte Fans der Band ein gefundenes Fressen darstellen dürfte: Eingängig, treibend, melodisch. So kennt man Basement. Und auch, wenn vom rauen Emo- und Pop-Punk-Gemisch aus Zeiten von „I WIsh I Could Stay Here“ kaum etwas übrig geblieben scheint, so fühlt man sich doch auch hier in eine wohlig-warme Stimmung gepackt. Basement hätten keinen besseren Vorboten als „Disconnect“ für ihr neues Album wählen können, denn bereits das nachfolgende „Be Here Now“ wirkt mehr wie ein Jimmy Eat World-Klassiker aus „Clarity“-Zeiten, als ein Song des Fünfers aus dem Südosten Englands. Schon auf „Promise Everything“ machten Basement keinen Hehl aus ihrer Vorliebe für den Alternative Rock der späten 90er. Und genau da macht die Band mit „Beside Myself“ weiter. Auch „Nothing Left“ und „Slip Away“ mischen energetischen Alternative Rock mit teilweise klischeehaften Teenage Angst-Lyrics, wie es die großen Helden der 90er, Jim Atkins, Christopher Conley oder Chris Simpson, nicht anders gemacht hätten. Ein Rezept das auch heute, gut zwei Jahrzehnte später, noch immer funktioniert.

Zwar sind es nicht die in „New Coast“ besungenen neuen Ufer, zu denen Basement mit „Beside Myself“ aufbrechen, dennoch ist eine Entwicklung deutlich hörbar. Der größte Unterschied zu den älteren Veröffentlichungen der Band ist wohl die Produktion. Man merkt, das Basement nun an einem Punkt angelangt sind, wo es nur noch in eine Richtung geht: Richtung Mainstream. „Beside Myself“ ist glatter – sowohl vom Sound als auch vom Songwiritng. Nummern wie „Promise Everything“ oder „Whole“, die ungestüm nach vorne preschen und unkontrolliert den Emotionen freien Lauf lassen, sucht man vergebens. Alles wirkt überlegt und strukturiert, Ausbrüche gibt es keine. Das ist keineswegs schlecht, sondern letzten Endes erwachsen. Basement sind nicht mehr Anfang 20, sieben Jahre sind seit „I Wish I Could Stay Here“ vergangen und haben ihre Spuren hinterlassen. „Keepsake“ und „New Coast“ sind dafür die besten Beispiele. Einzig allein „Reason For Breathing“ und „Changing Lines“ versuchen sich durch ungewohnte Klänge Luft zu machen. Letzterer Song erinnert dabei an das hervorragende „Halo“, welches uns Basement auf „Promise Everything“ kredenzten.

Auf „Beside Myself“ erinnern Basement einmal mehr an Jimmy Eat World, Saves The Day und Mineral. Und das zumeist, ohne sich selbst dabei gänzlich aufzugeben. Dennoch bleibt etwas von der gewohnten Authentizität auf der Strecke, die man seither von der Band aus Ipswich kennt. Alles wirkt glatter, vorhersehbarer. Man vermisst die Ecken und Kanten, wie sie die vorherigen Alben noch hatten. Dennoch ist „Beside Myself“ ein gutes Album, welches das mit Leichtigkeit schafft, was viele Bands krampfhaft versuchen: Großen Helden nachzueifern.
Basement wollen in Zukunft von ihrer Musik leben, das teilte uns Gitarrist Alex bereits 2015 in einem Interview kurz vor dem Release von „Promise Everything“ mit. Diese Zukunft ist nun gekommen, auch wenn sie leider etwas ernüchternd wirkt.

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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