Basement – colourmeinkindness

Band Basement
Musikrichtung Emo, Indie, Punk
Redaktion
Lesermeinung
7

Ein kleines Phänomen sind die Briten von Basement ja schon. Gut zwei Jahre gibt es die Band, schon lösen sie sich wieder auf. Auf Tour gewesen mit Brutality Will Prevail, Your Demise, Dead End Path – So richtig hat man da ja nie reingepasst. Umzingelnd von Bands, die das Publikum zum Moshen einladen, haben Basement immer zum Stillstand und zum Nachdenken appelliert. Jetzt ist all das vorbei, Feierabend. „Basement has never been about achieving anything; it was simply an enjoyable outlet for creativity and emotion.“ Mit diesem Satz geht es zu Ende und zum Abschied geben uns Basement noch ein Album mit auf den Weg: „colourmeinkindness“.

„Whole“ ist zu Anfang des Albums genau das, was man erwartet hat: Ein treibender, emotionaler Song. Typisch für Basement – Eingänger Chorus und direkt ins Ohr. Aber dann driftet man immer weiter ab, weg vom von Pop-Punk angehauchten Indie, wie er auf „Songs About The Weather“ und „I Wish I Could Stay Here“ noch zelebriert wurde.
„Covet“ ist dafür wohl das beste Beispiel: Basement vermischen auf „colourmeinkindness“ den Grunge der Neunziger und den Emo eben jenes Jahrzehnts als wäre es selbstverständlich, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. Als wären sie ein Hybrid aus Sunny Day Real Estate und den frühen Foo Fighters, aus Silverchair und Texas is the Reason. So wirkt „colourmeinkindness“ stellenweise monotoner als „I Wish I Colud Stay Here“, aber eben an genau diesen Stellen fast doppelt so tiefgängig: „Smile, like it was yesterday. Make me believe that you’re the same.“ heißt es in „Breath“, welches I’m Gegensatz zum vorangegangenen „Bad Apple“ fast sogar hyperaktiv wirkt. Frontmann Andrew Fisher ist in „Bad Apple“ nämlich gesanglich so im Grunge versunken, dass man ihn sich fast schlafend am Mikrofon vorstellen mag.
Aber es ist gerade dieser einschläfernd wirkende Gesang, der so gefühlvoll wie eben gleichermaßen monoton ist und diese Platte neben der feinfühligen und nie drückenden, instrumentalen Arbeit so liebens- und hörenswert macht.
„colourmeinkindness“ drückt einen nicht gegen die Wand, sondern zieht einem sanft in das Bett und die Decke gleich mit über den Kopf, sodass man gar nicht wieder aufstehen möchte. Einfach liegen bleiben, nichts tun – nichts denken. Sich loslösen von dem Drumherum, dem Drunter und Drüber: „Silence resume again. Fly high the brightest light. Maybe I’ll wait, until my thoughts about you change, and the love that I once had returns again.“
„colourmeinkindness“ ist der Schwanengesang einer Band, die keine bessere Karriere hätte haben können. Sicherlich, irgendwann wären Basement richtig durch die Decke gegangen, aber genau so wie es gekommen ist, erscheint es richtig. Und sie haben ja etwas hinterlassen: Eine wunderbare EP und zwei vielleicht noch atemberaubendere Alben. Alles richtig gemacht, Basement. Alles richtig gemacht.

(Patrick Siegmann)

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„Grunge“ katapultiert uns direkt in die 90er. In diesem Jahrzehnt fand der „Seattle-Sound“ seinen Anfang und Nirvana-Legende Kurt Cobain sein Ende. Gut zwanzig Jahre später ist die schrammelige Rockmusikbewegung fast vollends ausgestorben. Da ist es umso überraschender, wenn das Genre plötzlich von fünf jungen Herren aus Ipswich weiterentwickelt wird. Basement heißt ihre Band und ihr neues Album „Colourmeinkindness“ ist der letzte Meilenstein vorm offiziell verkündeten Halb-Aus („Hiatus“). Angesichts tiefer Verwurzelung im Pop Punk fungiert dieser Grunge-Emo-Ausflug gleichzeitig als komplette musikalische Neuausrichtung.

Zwar dürften genau jene „musikalischen Differenzen“ der Grund für die Bandtrennung gewesen sein, bei „Colourmeinkindness“ ergeben Basement allerdings eine abwechslungsreiche Sound-Einheit: Andrew’s ungewöhnlicher Gesang, treibende Gitarrenriffs und minimale Drums formen aus „Spoiled“ ein wohl strukturiertes Chaos mit Ecken und Kanten, die Abschluss-Kombination aus dem balladenartigen „Comfort“ und dem Litanei-mäßigen „Wish“ hat einen bedrückend-beeindruckenden Tiefgang und schnellere Songs wie „Whole“ oder „Bad Apple“ machen einfach Spaß. Das Highlight ist jedoch noch immer das vorab bekannte „Covet“. Selten waren Basement eingängiger, nie bedienten sie sich so offensichtlich am Sound der Pixies. „When I’m with you,I don’t want to be with you,“ bleibt einem auch noch Tage später im Ohr. An der „Ohrwurmfähigkeit“ mangelt es aber sowieso keinem der Songs, denn Basement verzichten bewusst auf anspruchsvolle Spielereien. Typisch „Grunge“ sind monotone Vocals, simple Melodien und noch simplere Lyrics an der Tagesordnung. Und doch hat jedes Lied seine eigene Note und jede noch so sprachlich-schlichte Songzeile transportiert so viele Emotionen wie der ausgereifteste Kitsch-Roman („I can‘t escape / The walls I made / Containing me“).

Vielleicht katapultiert uns „Grunge“ in die 90er. Dank Basement und „Colourmeinkindness“ offenbart der Begriff aber auch im Jahr 2012 mehr als Flanellhemden und zerrissene Jeans.

(Ines Kirchner)

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

Kommentare

  1 kommentar

  1. Dennis Zorn [Facebook]

    diese platte muss endlich leaken. die preorder kommt eh nicht vor weihnachten hier an.

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