Basement – Promise Everything

Band Basement
Musikrichtung Alternative
Redaktion
Lesermeinung
7

Die fetten Jahre sind vorbei? Vielleicht für manch andere Band, jedoch gewiss nicht für Basement. Für die fünf Briten, von denen es einen inzwischen in das ferne Boston verschlagen hat, scheint es gerade erst so richtig rund zu laufen. 2014 kündigte man nach knapp zweijähriger Pause das Comeback an und veröffentlichte „Further Sky“ – für manch einen die beste EP des damaligen Sommers. Es folgten ausgiebige Touren rund um den Globus: In den letzten 18 Monaten tingelten Basement durch Australien, Japan, Europa und ganze dreimal durch die USA. Jetzt oder nie hat sich die Band auf die Kappe geschrieben. Ihre Jobs haben sie hingeschmissen um sich voll und ganz auf die Musik zu konzentrieren. So könnte 2016 das Jahr schlechthin für Basement werden.

„Promise Everything“, das dritte und heiß erwartete Album der Band, steht vor der Tür, eine Europatour mit Tigers Jaw und eine US-Tour mit Turnstile und Defeater ebenso. Doch kann es „Promise Everything“ schaffen, den Erwartungen gerecht zu werden? Ein zweites „colourmeinkindness“ zu schaffen scheint fast unmöglich, so der Einruck vieler Fans, die ernüchtert waren, nachdem mit „Promise Everything“ und „Oversized“ bereits zwei Songs vorab veröffentlicht wurden. Sind Basement schon über ihren Zenit hinaus? Kann „Promise Everything“, das mit dem extra aus Kalifornien eingeflogenen Sam Pura (The Story So Far, Polar Bear Club) in den legendären Assault & Battery Studios in London (Oasis, Bloc Party, Bon Iver) aufgenommen wurde, das dürstende Fan-Herz befriedigen? Vielleicht sogar die anfänglich skeptischen Kritiker überzeugen? Es kann. Doch wie immer kommt es auch darauf an, ob man sich überhaupt überzeugen lassen will.

„Brothers Keeper“, „Four You The Moon“ und „Lose Your Grip“ sind zu allererst einmal typische Basements-Songs, die so auch ohne Probleme ihren Platz auf „colourmeinkindness“ hätten finden können. So erinnert „Lose Your Grip“ an das grandiose „Wish“, wenn es dessen Finesse auch um einen Hauch verfehlt. Dafür kommt der Song aber mit einem weitaus differenzierteren Gesang von Frontmann Andrew Fisher daher, der auf „Promise Everything“ des öfteren gekonnt zwischen aggressiv anmutendem Geschrei und feinfühligem Kuschelrock-Vocals wechselt. Die teils grungige Monotonie des Vorgängers lässt man so fast vollkommen hinter sich.

Der Titeltrack steht mit seinen treibenden Gitarrenriffs dann ganz in der Tradition von längst – zu Unrecht – vergessenen Bands wie Failure oder Hum, die Mitte der Neunziger mit Alben wie „Fantastic Planet“ oder „You’d Prefer an Astronaut“ zusammen mit den Smashing Pumpkins oder Soundgarden die Herzen der um Kurt Cobain trauernden Generation doch noch ein Stückchen höher schlagen ließen. „Submission“ und „Blinded Bye“ klingen dann sogar ein bisschen nach dem early 00’s Alternative Rock al a Bleed American. Dabei kommen beide Songs aber vollkommen ohne College Dreams und Teenage Angst aus, wie sie Jimmy Eat World damals nicht besser hätten in ihren Songs verpacken können. Lyrisch steht „Promise Everything“ nämlich ganz im Zeichen der Erinnerung an Vergangenes und der Sehnsucht nach Neuem: „Ask me and I try to reach for further sky / All I need for the flight is a feeling from the inside“ (For You The Moon).

Insgesamt ist „Promise Everything“ längst nicht mehr so unsicher, so kindlich aufgewühlt wie seine Vorgänger. „Oversized“ ist ohne Frage einer der ruhigsten und eingängigsten Songs, die Basement je geschrieben haben. Und auch „Aquasun“ sowie das abschließende „Halo“ wirken gar aufgeklärt, erinnert man sich zurück an die stürmischen Zeiten von „I Wish I Could Stay Here“. Viele werden diese Unsicherheit gewiss vermissen – aber Basement sind jetzt erwachsen geworden. Die Emo- und Pop-Punk-Tage endgültig vorbei und Vergleiche mit Title Fight oder Citizen sollte man am besten ganz weit weg schieben. Und so grandios wie „Aquasun“ in seiner ganzen Eingängigkeit und Schlichtheit klingt, ist das auch auch gut so und eine durchweg authentische sowie konsequente Weiterentwicklung. Für Basement ist „Promise Everything“ ihr Album – ihr ganz persönlicher State of the Art und das Album, was die Band nach eigener Aussage immer machen wollte.

„Promise Everything“ klingt nach Jimmy Eat World. Es klingt sogar ein bisschen nach Failure oder Hum, aber vor allem klingt es nach Basement. Nach den fünf Jungs aus Ipswich, die gerade einmal Mitte 20 sind, aber schon die ganze Welt für sich erobert haben. Und mit „Promise Everything“ wird ihnen das sicherlich noch ein Stückchen mehr gelingen. Vielleicht ist es nicht das beste Album der Band, aber mit Sicherheit ihr reifstes.

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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