Beatsteaks – Boombox

Album Boombox
Band Beatsteaks
Musikrichtung Rock, Alternative, Punk Rock
Redaktion
Lesermeinung
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„This is automatic / got no doubt about it / my mind is over matter / can’t get any better” – es gibt kein Lied, was mich momentan mehr nervt als “Automatic” von den Beatsteaks. Da war mal dieses Ziel, ihr neues Album “Boombox” so oft anzuhören, bis es komplett gut wird. Und wie wurde nicht vorher auf ein neues Wunderwerk gehofft: Die Vorabsingle „Milk & Honey“ musste einfach so oft laufen, bis sie von „viel zu weichgespült“ zu „ach eigentlich ganz schön eingängig“ mutierte, die Snippets kurz vor Veröffentlichung hielten erfolgreich von anderen Aufgaben ab und ins Radiokonzert wurde zumindest mal reingelinst – man wollte sich ja nicht die komplette Spannung nehmen.
Irgendwann kam dann der 28. Januar. In allen sozialen Netzwerken war seit Wochen sowieso schon die Hölle los – die Beatsteaksfangemeinde ist schließlich nicht die Kleinste – sodass man bei Release folgerichtig überall nur noch von der Boombox aus Berlin las. „Zurecht!“ möchte man sagen und doch bleiben da diese Zweifel nach sehr oft „Boombox“ hören und viel zu oft „Automatic“ ertragen.
Aber nochmal von vorn: Die Beatsteaks waren noch nie eine Band, die man so einfach in eine Genre-Schublade packen konnte und schon das letzte Album „Limbo Messiah“ war ein gewaltige Grenzüberschreitung verglichen mit seinen punklastigen Vorgängern. Dass drei Jahre später ein als „Boombox“ tituliertes Werk noch mehr Abwechslung und Veränderung bieten würde, war also relativ schnell klar. Ist ja auch eigentlich nicht schlimm. Eigentlich.
Die „Boombox“ ist keine geradlinige Songansammlung. Alle Songs sind irgendwie unterschiedlich und so bekommt der Hörer ein ewiges Auf und Ab geboten. Der Opener „Fix it“ ist ein Lied voller Ecken und Kanten mit verzerrtem Gesang und stellt einen schönen Kontrast zum schon erwähnten „Milk & Honey“ dar. Danach dann „Cheap Comments“, das eindeutige Highlight der Platte. Arnims Stimme im Zentrum, ganz viel Bass und im Kopf schon der Gedanke an Sommertage im Park. An Sommertage im Park könnte man auch beim darauffolgenden „Let’s See“ denken. So viel Reggae und Skaeinfluss hat man noch nie bei den Beatsteaks finden können. Natürlich eindeutig Geschmackssache und meinen Geschmack trifft es nicht. Dafür dann „Bullets From Another Dimension“ – hätte auch auf den alten Alben einen Platz haben können und wird live mit Sicherheit gut ankommen. Nach relativ unspektakulären „Milk & Honey“ Klons folgen zwei Songs, die die „Boombox“ ziemlich herunterziehen. Die 1.13 Minuten von „Behavior“ sind eine Zumutung. Wir kriegen bis zur Unendlichkeit „I’m not gonna wear your shirt“ ins Ohr gebrüllt. Aua. Danach dann „Automatic“. Von Peter Fox mitproduziert, reggae-esk, ekelhaft monoton und eintönig. Völlig deplatziert mit Blick auf die beiden noch folgenden Lieder. Dadurch, dass die Boombox thematisiert wird, hätte es vielleicht sogar eher an den Anfang als Intro gepasst – allerdings hätte ich mich dann wahrscheinlich direkt von den Beatsteaks verabschieden müssen. Zum Schluss immerhin noch Houses Of Fire für den versöhnlichen Abschluss: Guter Refrain, „Nananana“ für die Livestimmung und ab 2.40 ein bisschen punkiger zum Mitgröhlen.
Und doch bleibt es dabei: Was haben sich die lieben Beatsteaks nur mit „Automatic“ gedacht? Wenn es diesen Song nicht gäbe, könnte man über den Rest der Mankos vielleicht noch hinwegsehen. So muss gehofft werden, dass sich live noch so einiges verbessert.
Fragt mich mal in einem Jahr nach meiner Meinung zur werten „Boombox“. Vielleicht schreie ich euch dann ja völlig begeistert „This is automatic!“ entgegen. Man weiß ja nie.

Autor Ines Kirchner
Wohnort Berlin
Beruf Project Manager
Dabei seit Juli 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Akkreditierungen, Organisatorisches, Reviews
Top-Alben u.a. Gallows - Grey Britain, Bon Iver - Bon Iver, The National - Trouble Will Find Me, Touché Amoré - Parting the sea...
Die besten Konzerterlebnisse u.a. Have Heart (2009, Köln), Gallows (2010, London), Basement (2012, London), Iron Chic, Ceremony, Trash Talk, Rise & Fall, Touché Amoré (divers)

Kommentare

  11 kommentare

  1. blabla

    Tja, wenn man keine Ahnung von Musik hat – schreibt man halt sowas -.-

  2. Bla

    Richtig

  3. Patrick Siegmann

    Automatic ist für mich mit der beste Song auf der Platte. Mehr als 5 von 8 Sternen hätte ich aber auch nicht gegeben, da es zu wenig Highlights gibt. Fakt ist aber, dass die Beatsteaks sich nicht hinter Gitarrenriffs und Punkrock verstecken müssen, live sind die Songs von Boombox sicherlich auch Granaten.

  4. Benjamin Fischer

    Ich sag’s mal so: Groß mit den Beatsteaks beschäftigt habe ich mich noch nie, aber gerade „Automatic“ wird daran definitiv nichts ändern.

  5. blabla

    Irgendwie kommt mir das so vor als würde es nur um „automatic“ gehen.?!?!

  6. Benjamin Fischer

    Hab mich nur darauf bezogen, weil es von Patrick nochmal aufgegriffen wurde und offenbar ein untypischer Beatsteakssong ist. 😉

  7. Ines Kirchner

    nur weil man ein album nicht so gut findet wie der oberfan, heißt das nicht, dass man keine ahnung von musik hat.

  8. Sascha Schüler

    Objektivität im Internet ist halt leider Mangelware

  9. blabla

    Objektivität? Naja…

  10. Thomas

    Gibt echt viele schlechten Reviews, das hier ist aber ziemlich krass.. Naja mal auf allschools warten.

  11. blubber

    Auf der Platte kann man ja geteilter Meinung sein. Aber live war „automatic“ der Kracher :-)))

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