Being As An Ocean – Waiting For Morning To Come

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Redaktion
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6

Ein bisschen enttäuschend war der 9. Juni schon. Denn obgleich es seit der Ankündigung von „Waiting For Morning To Come“ Ende 2016 verdächtig ruhig um Being As An Ocean geworden war, keinerlei Pre-Order Möglichkeiten existierten und Informationen sowieso arg rar gestreut waren, glühte in vielen Fans noch ein kleiner Funken Resthoffnung auf einen planmäßigen Release – zugegebenermaßen vergeblich. Letztlich verzögerten die Komplikationen zwischen der Band und ihrem ehemaligen Label Equal Vision Records den Release nämlich bis Anfang September. In der Zwischenzeit trennten sich Being As An Ocean dafür von ihrem Label, um die volle Kontrolle über das eigene künstlerisches Schaffen zu haben.

Und tatsächlich bricht das Album teilweise mit den Erwartungen. Wobei es damit gleichzeitig auch wieder zur Diskographie der Kalifornier passt, die sich mit ihren Alben nie wiederholt haben. In fünf Jahren führte die Reise vom freilich genialen Melodic-Hardcore Debüt „Dear G-D“ über das eingängigere und eher vom Post-Hardcore beeinflusste „How We Both Woundroulsy Perish“ bis zu ihrem wohl härtesten und vielleicht auch komplexesten dritten Werk.

„Waiting For Morning To Come“ nimmt nun ordentlich Tempo raus, experimentiert viel mit elektronischen Samplern und Effekten und rückt die leisen Töne, mit ganzen sechs instrumentalen Stücken, so stark wie nie zuvor in den Vordergrund. In dieser Menge halten letztere zwar zum ersten Mal Einzug auf ein Being As An Ocean Album. Aus dem Nichts kommen sie aber freilich nicht. Denn live griff die Band bereits auf solche Interludes als Verbindungsstücke zwischen den eigentlichen Songs zurück. Nun nehmen diese recht einfach gehaltenen Stücke also auch auf dem Album eine größere Rolle ein. Aufgrund ihres minimalistischen Charakters lohnt die einzelne Betrachtung nicht zwingend. Im Gesamtwerk aber haben sie ihre Berechtigung.

Dessen Essenz liegt besonders in den acht „normalen“ Songs, die gewohnt poetisch und offenherzig daherkommen. „And I wear my heart on my sleeves so you can watch it bleed“ („Dissolve“). Die gesellschaftliche, aber auch politische Kälte, die auf vielen Ebenen weltweit zu spüren ist, beschäftigt Being As An Ocean merklich. „More connected than ever before / Yet we are all dying of loneliness […] Raving mad aristocrats, crippeld by insecurity / They prey upon the weak, both in will and mind / Preaching that compliance is peace / That the walls they’ll build will bring sanctuary“ („eB thaT srewoP ehT“). Being As An Ocean wissen, dass gerade durch diese Missstände und die daraus resultierende Verzweiflung, eine positive Einstellung und der Wille zur Veränderung umso essenzieller wird. „Will dwelling in the negatives ever bring out the light? Will living in the darkness ever expose what’s right?“ („Glow“).

Schlug das Selftitled-Album noch in eine härtere Kerbe, ist „Waiting For Morning To Come“ um einiges sanfter. Das gilt vor allem für das wunderschöne „Black & Blue“ und das zaghafte „Glow“. Die schon 2016 veröffentlichte Single „Dissolve“ hingegen wurde für das Album noch einmal in einer härteren Version aufgenommen. Dabei fiel der Neuaufnahme leider Joels wohlig warmer Sprechgesang zum Opfer: Er wurde kurzerhand durch Shouts ersetzt. Ähnlich wie „OK“, lässt „Dissolve“ so jedoch ein wenig die Dynamik der Vorgänger-Alben vermissen. Ganz schön befremdlich wirkt „eB thaT srewoP ehT“, das man schlichtweg rückwärts auf die Platte gepresst hat. Nicht ganz so außergewöhnlich, aber definitiv interessant und frisch kommt „Thorns“ mit seinen elektronischen Spielereien und dem einzigartigen Refrain daher. Gerade diese Experimentierfreudigkeit muss man Being As An Ocean hoch anrechnen. Sie setzen nicht auf den sicheren Erfolg, sondern trauen sich was. Ob man sich nun an den zahlreichen instrumentalen Stücken stört, muss freilich jeder für sicher selbst herausfinden.

Autor Joshua Claaßen
Wohnort Goch
Beruf Schüler
Dabei seit Oktober 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews
Top-Alben Ständig im Wandel, zu meinen Favoriten gehören aber auf jeden Fall: Stick To Your Guns - Diamond, Being As An Ocean - How We Both Wondrously Perish / Dear G-d, The Ghost Inside - Get What You Give, The Amity Affliction - Let The Ocean Take Me
Die besten Konzerterlebnisse Kann ich mich nicht festlegen, Stick To Your Guns und Being As An Ocean sind live aber immer ein absolutes Highlight!

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