Blackout Problems – Holy

Album Holy
Label Uncle M
Musikrichtung Alternative, Post-Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
7

Philipp Koch spielt Gitarre und singt bei Heisskalt. Darüber hinaus ist er Produzent und soll (glaubt man dem Getuschel in der Musikwelt) ein sehr kritischer und ehrlicher Mensch sein – und zwar in dem Maße, dass er Künstlern auch gerne mal erbarmungslos ins Gesicht sagt, wie schlecht er sie eigentlich findet. Doch gerade diese Eigenschaften machen Herrn Koch für Musiker zu einem Produzenten erster Wahl. Auch bei den Blackout Problems war das entscheidende Argument, dass das Heisskalt-Mitglied während der gemeinsamen Tour beim Soundcheck des (Wahl-)Münchener Trios nie so ganz glücklich dreingeschaut hat. Als Produzenten für „Holy“ konnten sie ihn dennoch gewinnen, ließen ihn seine Ideen miteinflechten und schafften es obendrein, ihren ganz eigenen Sound irgendwo zwischen Alternative-Rock, Post-Hardcore und fast schon poppigen Momenten beizubehalten. Eine Mammut-Aufgabe, deren geglücktes Ende keinen passenderen Titel hätte erhalten können.

„Holy“ ist eine gekonnte Zusammenführung von langsamen Songs und Mid-Tempo-Nummern voller Emotionen. Die Grundstimmung wechselt dabei in bester Chamäleon-Manier seine Farbe und springt von melancholisch, wild, ungebremst und poppig-fröhlich hin und her. Eines ist sie dabei allerdings immer – absolut mitreißend.
Zu Beginn von Opener „One“ ist alles noch düster und drückend, dramatisch bis zum Anschlag und der explosionsartige Knall, mit dem sich alle Spannung wie ein zurückschnellendes Gummiband entlädt, programmiert. Gleich beim fließenden Übergang zu „Of Us“ ist es dann auch soweit: ruckartig wird es laut und alle aufgestaute Energie frei. Ein Schrei nach Aufmerksamkeit im rockigen Post-Hardcore-Gewand, der zu keiner Sekunde übertrieben klingt.

Und das ist noch nicht einmal der größte Kulturschock, den „Holy“ beinhaltet. Denn obwohl man sich inzwischen daran gewöhnen konnte, dass die Blackout Problems auch gerne mal ihre ganze Finesse zeigen und mit den Klangfarben so hemmungslos herumspielen, als wollten sie ein Gemälde anfertigen, überrascht das poppige „The Drive“ mit seinem Indie-Charakter dennoch. Ebenso überraschend kommt die gesangliche Unterstützung bei „Boys Without A Home“ daher: Boysetsfire-Hymnenmacher Nathan Gray. Für viele sicherlich überhaupt erst ein Grund, in die Band hineinzuhören. Doch tatsächlich stört der BSF-Frontmann hier eher, als dass er wirklich hilft. Seine markante Stimme lenkt schlicht viel zu sehr von der Musik ab. Und zu der von Blackout Problems-Sänger Mario passt sie erst recht nicht.

Lyrisch hat das Trio durch „Holy“ einen roten Faden gesponnen. Sie singen von zwischenmenschlichen Beziehungen, Freundschaft und Liebe. Sie fordern Gerechtigkeit und Moral. Sie zeigen, dass man, egal was einem auch geschieht, nicht alleine dasteht:„You fucked up, but it will be okay, we all make our mistakes someday. If we fail at least we know we’ve tried. I swear I’ve tried! My father said: ‚Take it easy son, there are those days in life you have to stay strong. Keep your head up high, there’s always a reason to fight, to hold on.‘“ Untermalt werden auch diese Zeilen von einer facettenreichen, starken und sich immer wieder wandelnden musikalischen Begleitung – alles richtig gemacht!

Vielleicht liegt es an der Besetzung des Produzentenpostens, vielleicht auch einfach daran, dass die drei Jungs von Blackout Problems unglaublich talentiert sind. Wie „Holy“ entstanden ist, ist schlussendlich aber auch ganz egal. Das Ergebnis zählt und wird sogar Philipp Koch ein großes Lächeln entringen können. Abgesegnet hat der Herr es sicherlich nicht ohne Grund.

Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
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Top-Alben Apologies, I Have None - London; The Wonder Years - No Closer To Heaven; Cold Reading - Sojourner; Shoreline - You Used To Be A Safe Place; Twoonacouch - And I Left
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