Bleeding Through – Love Will Kill All

Musikrichtung Metalcore
Redaktion
Lesermeinung
0

Unverhofft kommt oft, denn was vor einem halben Jahr noch fast undenkbar war, steht jetzt in den Plattenregalen: Bleeding Through sind mit „Love Will Kill All“ zurück auf der Landkarte des Metalcores. Und das nicht zuletzt, weil Frontmann Brandan Schieppati sich von dem Genre gelangweilt fühlte. Zu viele Bands würden Bring Me The Horizon kopieren – und die, die es nicht täten, klängen wie Emmure mit Refrains von A Day To Remember. Grund genug für den Frontkeifer wieder mit Bleeding Through aktiv zu werden.

„This world fuckings owes you nothing!“

Bleeding Through waren noch nicht fertig. Wer sich „The Great Fire“ anhört, bemerkt ziemlich schnell, dass diese Band noch viel zu sagen gehabt hätte – wenn nicht sogar auf dem Höhepunkt ihrer Karriere stand. Seither sind sechs Jahre vergangen, die Band hatte sich nach „The Great Fire“ aufgelöst und Frontmann Brandan Schieppati mit The Iron Son eine neue Beschäftigung gefunden. Das sind aber Western von Gestern, denn Bleeding Through besingen jetzt die Liebe, die alles dahinraffen wird, was das große Feuer von 2012 nicht zu vernichten im Stande war.

„This life, it will destroy your heart. Life will only rip us apart.“ eröffnet Schieppati mit cleanen Vocals im Intro „Darkness, A Feeling I Know“ den Blutreigen, der in den nächsten knapp 40 Minuten auf den Hörer einprasseln wird. Bleeding Through knüpfen nahtlos an die Brutalität und Kompromisslosigkeit von „The Great Fire“ an und liefern mit „Love Will Kill All“ ein Hackbrett der Extraklasse, auf dem viel gewütet, aber nichts wiederholt wird. „Fade Into The Ash“ feiert seine Gitarrenmelodien, als hätten sich die Kalifornier im Power-Metal verloren, „No Friends“ bietet einen Hardcore-Stampfer, der teilweise sogar an Terror erinnert und „Cold World“ zerstückelt alles in derart fieser Manier, dass selbst Freddy Krüger seinen Hut ziehen würde.

Was „Love Will Kill All“ aber so besonders macht ist nicht nur die schiere Gewalt, mit der die Band vorgeht, oder die Vielfalt, die dieser blutige Blumenstrauss bietet. Einen großen Anteil an der düsteren, alles überschattenden Stimmung hat Keyboarderin Marta Peterson, die ihre Töne immer so geschickt platziert, dass sie sich und ihr Instrument nicht zu sehr in den Vordergrund drängt, ohne sie die Songs aber auch nicht derart gut funktionieren würden.

Bleeding Through grenzen sich aber auch durch ihren variabel gehaltenen Songaufbau, den variierenden Shouts und Screamings und ihre vielfältigen Gitarrenriffs von der Konkurrenz ab. Es scheint ihnen wirklich ein Anliegen gewesen zu sein, jüngeren Bands zu zeigen, dass es auch noch eine andere Art gibt, Metalcore zu spielen. Mit weniger Melodie und mehr Intensität. Darum hatte Schieppati nach eigener Aussage wohl auch keine Probleme, die Band wieder zusammenzutrommeln. Der Band war wohl klar, dass es immer einen Weg gibt, der noch etwas Verborgenes bereithält, das entdeckt werden will. Und so bricht auch das schließende „Life“ mit den dunklen, hoffnungslosen Worten des Intros, wenn es verkündet „I live to see another day, the look Upon your face, to see you walk away. I give the darkest side of me, the scared side of me, to see another day. Life. Your life.“ Diese Reise ist zum Glück noch nicht zu Ende.

Your arrogance is despicable to me!

Bleeding Through sind zurück – und das mit Wucht. „Love Will Kill All“ bringt eine Blaupause für den Metalcore zurück aufs Reißbrett, die bereits verschollen war. Ein einnehmendes Album, das zum Besten gehört, was die Band bis heute abgeliefert hat. Fragt sich nur, ob Brandan Schieppati auch so unglücklich über die Szene wäre, wenn in Zukunft Bleeding Through kopiert werden würden. Dem Genre zumindest würde es einen weiteren Facettenreichtum bescheren.

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews
Top-Alben Joanna Newsom - Y's | Propagandhi - Today's Empires, Tomorow's Ashes | At The Drive-IN - Relationship of Command
Die besten Konzerterlebnisse Iggy Pop | ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead | NOFX | Escapado | Propagandhi

Hinterlasse einen Kommentar