Blink-182 – California

Album California
Band Blink-182
Musikrichtung Pop-Punk
Redaktion
Lesermeinung
4

Der New York Times zufolge war keine Punk-Band der 90er Jahre einflussreicher als Blink-182. Über 50 Millionen verkaufte Alben sprechen eine eindeutige Sprache. Die Herren sind bekannt und erfolgreich geworden, indem sie etwas gemacht haben, das es bis dato noch nicht gab. Ihren glorreichen Tagen haben sie es zu verdanken, dass sie bis heute berühmt sind – und in den Sphären dieser Tage bewegen sie sich nach wie vor.

Daran hat auch der Ausstieg von Tom DeLonge nichts geändert. Ersatz Matt Skiba (Alkaline Trio) macht Blink-Dienst nach Vorschrift. Während sich DeLonge nun wieder vollends Angels & Airwaves und der Suche nach Aliens und Ufos widmet, machen sich Blink mit „California“ auf die Suche nach ihrer verlorenen Jugend.

Laut Gründungsmitglied Mark Hoppus ist Blink quicklebendig und sie würden sich freuen, „coole neue Sachen“ zu machen. Für Fans, denen auch das Wohlergehen der Band am Herzen liegt, sicherlich schön zu hören, doch für diejenigen, die sich lediglich um die musikalischen Ergüsse kümmern, ein Traum, der sich im neuen Anlauf erneut nicht erfüllt, da Blink-182 auch 2016 klingen wie gerade den 90ern entronnen. Ob die Herren (beziehungsweise Jungs, wenn man ihr mentales Alter als Maßstab nimmt) jemals erwachsen werden, ist fraglich. Denn ganz im Stile von Simple Plan, die ihr „Taking One For The Team“ Mitte Februar der Welt präsentierten, versuchen sich auch Blink nun in bodenlos-banalem Pop-Punk – musikalisch sowie textlich.

„Bored To Death“, „She’s Out Of Her Mind“, „No Future“, „Teenage Satellites“ und „Rabbit Hole“ sind dabei gleich fünf Beispiele, die allesamt das Album im schlechtesten Licht dastehen lassen. Langweilig, vorhersehbar und ohne jeglichen Spannungsbogen. In den 90ern wären daraus vielleicht kleine Hits geworden, mittlerweile juckt das niemanden mehr. Und wer doch einmal Lust auf ein wenig American Pie-Feeling hat, ist mit den blinkschen Klassikern definitiv weitaus besser beraten.

And it’s a long way back from seventeen, their whispers turn into a sream and I’m not coming home“: Bei „Bored To Death“ besingt Mark Hoppus seine Musikkarriere. Wie er mit 17 Jahren angefangen hat und wo er jetzt ist – mit 44. Das Ganze klingt allerdings noch immer so als sei der Mann gerade in den letzten Zügen seiner High School-Zeit. Der Song-Titel dagegen passt perfekt.

Überdies hätte „Los Angeles“ nicht nur auch von den modernen Fall Out Boy stammen können, sondern neben deren grausigem Cover des Ghostbusters-Soundtracks ebenfalls Teil der neuen Filmmusik werden können – der Titel hätte dann natürlich ausgebessert werden müssen. „Kings Of The Weekend“ dagegen hätte zweifellos Platz auf dem Soundtrack von American Pie gefunden.

Nach einigen Jahren ohne Produzenten wurde für „California“ nun John Feldmann für diese Rolle engagiert. Er war zwar auch maßgeblich an dem Unsinn von „Built This Pool“ und „Bohemien Rhapsody“ (ja, im Ernst) beteiligt, doch ohne ihn hätte es wahrscheinlich auch nicht den schick-flotten Opener „Cynical“ gegeben, der obendrein auch Matt Skiba als neues Blink-Mitglied vorstellt. Ironischerweise ist „Left Alone“, das aus der Feder des Alkaline Trio-Frontmann stammt, sogar einer der wenigen tatsächlich guten Songs des Albums. Ein starker Refrain und Musik, die Spaß macht – gäbe es davon neben „San Diego“ doch nur mehr auf „California“.

„San Diego“ hätte es ohne sein Drängen sogar eigentlich gar nicht auf das Album geschafft, so Feldmann in einem Interview, da es nie Mark Hoppus‘ Absicht war, einen Song über die Stadt, in der alles begann, und die damit verbundenen Erinnerungen zu schreiben. Einen Song über Tom DeLonge zu schreiben. Darüber, wie sie sich beim Musikhören und Skaten auf einem Parkplatz kennengelernt haben: „I can’t sleep cause what if I dream of going back to San Diego? We bought a one way ticket so we could go see The Cure and listen to our favorite songs in the parking lot and think of every person I ever lost in San Diego“.

Tom DeLonge war am inzwischen siebenten Album von Blink-182 nicht selber beteiligt, hat es aber dennoch zu einem gewissen Grad richtungsweisend beeinflusst. Ob er mit seiner Suche nach Extraterrestrischem jemals genauso viel Erfolg haben wird, wie er mit seiner Ex-Band in all den Jahren einheimsen konnte, ist unklar. Ob die Blink-Mitglieder jemals erwachsen werden ebenfalls. Dass die Band dagegen schon bessere Tage erlebt hat, beweist „California“ nur allzu deutlich.

Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
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Top-Alben Apologies, I Have None - London; The Wonder Years - No Closer To Heaven; Cold Reading - Sojourner; Shoreline - You Used To Be A Safe Place; Twoonacouch - And I Left
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