Bloc Party – Four

Album Four
Band Bloc Party
Musikrichtung Indierock
Redaktion
Lesermeinung
6

Quo vadis, Bloc Party? Ja, wohin geht die Reise. Zeitweise schien sie sogar ganz beendet, wobei der Eindruck letztlich zum Glück dem Lieblingshobby der vier geschuldet war, das hauptsächlich darin besteht, den sensationsgeilen Medien ein paar schöne Geschichten zu stecken und sich selbst im Hinterzimmer krummzulachen.

Unberechenbarkeit war ja schon immer ein, wenn nicht der Trumpf, von Bloc Party. Keles Elektrofimmel etwa war zwar nichts Neues, aber dass es in einem einzigen Katastrophenchaos, „Intimacy“ genannt, mündet hatte wohl kaum einer gedacht und im Nachhinein bestimmt auch niemand gehofft. Diesmal sind die Fragezeichen nach vier Jahren Kreativurlaub größer denn je, wer kann schon ahnen, was sich in der Zeit für krude Ideen aufgestaut haben. Die Antwort ist ebenso typisch wie radikal.

Die Indiedarlings machen nämlich jetzt einfach mal biestigen Gitarrenrock. Warum? Keine Ahnung, vielleicht einfach weil sie’s können und weil sie das ja noch nicht im Repertoire hatten, aber wer jedenfalls nun sein „bitch please“-Gesicht aufsetzt, dem wird dieses äußerst unziemlich weggewischt werden. Witzig wie Bloc Party nunmal sind, tanzen nämlich ausgerechnet die beiden Singles nach einer völlig anderen Pfeife. Wer also gerade auf den strengen Minlimalismus von „Octopus“ abfährt, steht im Gesamtzusammenhang schön im Regen. „Day Four“ giert dagegen nicht nach Aufmerksamkeit, sondern gibt den sanften Rauskehrer nach einer langen Nacht: Draußen kitzeln schon die ersten Sonnenstrahlen, du irrlichterst gen Heimat, wohlwissend – „the city is here for you!“, angenehm tröstlich. Mit New York scheint Kele den Frieden gemacht zu haben, welchen London ihm nie anbot.

Nur schlägt in Four neben dem ruhigen Herz noch ein hyperaktives Gegenstück, und in dem steckt Wut – zu Genüge. Es gleicht oft einem Gewitter, was Russel Lissack über uns ergehen lässt und zu den düsteren Riffs, malträtieren Matt Tongs Streichholzärmchen maschinengewehrartig die Drums. Und so stehen Bloc Party auf einmal auf den Barrikaden („Kettling“) oder reißen diese (samt allem anderen) mit dem gnadenlosen Brett, „We’re Not Good People“ nieder. Imponierend, welcher Druck einen hier durchpeitscht. Unweigerlich leiden darunter allerdings die langsamen Stücke; „Truth“ ist eine schöne Ballade, aber weit enfernt von Großwerken wie „This Modern Love“ und „The Healing“ bekommt nie auch nur einen Fuß auf den Boden. Die Hybridvariante funktioniert dagegen prächtig: „Coliseum“ mutet erst fast progartig an, bis, ja bis, der Vorhang fällt und die Reise von Neuem beginnt. „Team A“ ist etwas anders gestrickt, deutlich vertrackter und es trieft vor abgrundtiefer Verrachtung. „I’m gonna ruin your life!“

Was vom Tage übrig bleibt? So und nicht anders erfindet man sich als Band neu. Mit viel Verwegenheit und noch mehr Spielfreude. Vielleicht bedarf es einfach der Extraklasse solcher Ausnahmekünstler, dass man sich zuweilen fragt: Wer ist das und was hat er mit Bloc Party angestellt?

Autor Benjamin Fischer
Wohnort Frankfurt
Beruf Journalist
Dabei seit Juni 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Koordination Interviews, Lektorat
Top-Alben The Gaslight Anthem - The '59 Sound / The National - High Violet & Trouble Will Find Me / Bon Iver - Bon Iver
Die besten Konzerterlebnisse The National (Tanzbrunnen)

Kommentare

  1 kommentar

  1. Enrico

    „Katastrophenchaos, “Intimacy” „?

    Die Platte war ja mal total super. Mutig aber durchgehend gelungen. Neue Platte gefällt.

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