BRDigung – Chaostheorie

Album Chaostheorie
Band BRDigung
Musikrichtung Punk
Redaktion
Lesermeinung
3

Mit „Chaostheorie“ feiern die Deutschpunks um BRDigung ihr fünftes Studioalbum, das mit kompromisslosem Punkrock gespickt mit hartem Metaleinschlag die deutsche Musikszene aufmischen soll. Und was ein ordentliches Punkalbum werden soll, muss natürlich auch ordentlich polarisieren. Wenn der Schuss mal nicht nach hinten losgeht.

Mit eingängigem Riff, kickender Doublebass und viel Energie startet der Titelsong das neue Album der Kempener Punkband. Doch leider verpufft der gekonnte Auftakt viel zu schnell. Was folgt sind 13 mehr oder weniger gelungene Punksongs zwischen Terrorgruppe („Die Fürstin von Monaco“), WIZO („Scheiss auf die scheiss dritte Welt“) und Billy Talent („Autonom Extrem“) – und auch der Metaleinschlag nimmt schnell deutlich ab. Leider hinken BRDigung den beiden erstgenannten Bands in Punkto textlicher Raffinesse ohnehin meilenweit hinterher. Die bissigen, satirischen Texte sind teilweise derart ruppig, dass man ab und an wirklich ins Grübeln kommt, ob das jetzt überhaupt noch überspitzt oder schon ernst gemeint ist. Dazu kommt die latente Aggression, die den Liedern innewohnt. Die verstärkt das ungute Gefühl, dass das, was man da gerade hört, vielleicht doch bitterer Ernst ist.

Wäre das alles, könnte man „Chaostheorie“ als solide Punkplatte mit etwas eigenwilligem Songwriting vielleicht noch durchwinken. Wenn BRDigung dann aber mit „Der Tag danach“ oder „Freundschaft und Bier“ noch unnötig platte Sauf-Hymnen drauf legen, ist der Fisch wirklich schnell geputzt – und man greift doch lieber zu Klassikern von Bockwurstbude oder Knochenfabrik. Gerade „Freundschaft und Bier“ könnte mit weniger Gitarren und etwas mehr Popappeal auch im Bierkönig laufen. Da ist fremdschämen angesagt – und Verwunderung, wo doch in „Hässliche Fans“ noch über andere Bands und deren Fans hergezogen wird. Wenn schlussendlich bei „Das Spiel mit dem Feuer“ die Feuerzeuge gezückt werden dürfen – denn eine Halbballade darf ja auch nicht fehlen – ist der Bogen endgültig überspannt und „Chaostheorie“ erscheint in einem ganz faden Licht.

BRDigung tanzen mit „Chaostheorie“ auf zu vielen Hochzeiten und verzetteln sich dabei. Zu gewollt, zu viel Show und zu wenig guter Inhalt. Das Ergebnis ist so einfach nur enttäuschend – was auch die wenigen Lichtblicke wie der Titelsong oder „Die Fürstin von Monaco“ nicht mehr herausreißen können.

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
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