Cadet Carter – s/t

Album Cadet Carter
Label Uncle M
Musikrichtung Pop-Punk, Emo
Redaktion
Lesermeinung
5

Es muss niemand an sich zweifeln, wenn er von Cadet Carter noch nie etwas gehört hat – dafür gibt es sie schlicht und einfach noch nicht lange genug. Umso beeindruckender ist es, dass die vier jungen Männer nur wenige Monate nach ihrer Gründung im Frühjahr 2017 bereits ein Album in der Hinterhand haben. Bei dem krampfhaften Versuch herauszufinden, warum man bei „Cadet Carter“ so herrlich nostalgisch wird, landet man derweil immer wieder bei einer Band: Jimmy Eat World. Und die Truppe um Jim Adkins wäre auf „Cadet Carter“ wahrscheinlich sogar ziemlich stolz.

Gerade einmal neun Songs warten auf dem Erstling des Quartetts. Und der zeugt von einem beeindruckenden Talent, Aussage und Emotion auf den Punkt zu bringen, ohne groß herumzutüfteln. Ist „Milwaukee“ mit seinem 30 sekündigen Intro und der durchgehenden Ruhe ein Opener wie er im Buche steht, hätte „Car Park Song“ auch 1:1 das Kind der 2000er Jimmy Eat World oder The Get Up Kids sein können, so wunderbar poppig und eingängig kommen die kleinen Melodien daher. Und wo „Don’t Fail Me“ und „About You“ auf starken Folk-Einschlag setzen, werden bei „Indiscreet Romance“ dagegen die Synthie-Melodien ausgepackt, die dem Ganzen ein wenig glitzernde Romantik verleihen.

Das große Highlight ist allerdings „Loose End“, zukünftig vielleicht besser als einer der schönsten und vor allem standhaftesten Ohrwürmer seit langer Zeit bekannt. Tatsächlich machen Cadet Carter bei dem Song nichts, was man nicht bereits bei anderen Bands gehört hätte, doch es klingt bei ihnen so frisch wie schon seit Jahren nicht mehr. Endlich gibt es wieder eine Band, die sich zurecht an einen Instrumental-Zwischenteil traut, der auf große „ooh“-Chöre hinausläuft – herrlich und großartig. Würde es sich gerade bei „Loose End“ nicht lohnen, auch auf den Text mit Passagen wie „tell my girl I love her, tell my parents they were right, tell my old friends to go out and raise a glass on me; let them know I’ve been here sitting with those pills in sight trying to find a way of coping with persistent demons” zu achten, die Musik wäre Grund genug für die persönliche heavy rotation.

„Cadet Carter“ handelt vom Neuanfang, von den Dingen, die Antrieb verleihen und von denen, die ein Zuhause erst zu einem Zuhause machen. Es geht ums Loslassen, Weiterziehen und Weitermachen. Das Debütalbum der Münchener ist kitschig, romantisch, ehrlich und wunderschön. Manche Bands brauchen Jahre, um so zu klingen wie sie sich fühlen. Cadet Carter schaffen das bereits nach wenigen Monaten.

Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, News, Gewinnspiele
Top-Alben Apologies, I Have None - London; The Wonder Years - No Closer To Heaven; Cold Reading - Sojourner; Shoreline - You Used To Be A Safe Place; Twoonacouch - And I Left
Die besten Konzerterlebnisse Jimmy Eat World @ Skaters Palace, Münster, Frank Carter & The Rattlesnakes @ Dour Festival, The M-Pire Strikes Back-Festival 2016

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