Caffeine – Serac

Album Serac
Band Caffeine
Musikrichtung Stoner-Rock
Redaktion
Lesermeinung
4

In der Ferne grollt und donnert es. Caffeine aus Hannover treiben mit ihrem Debüt „Serac“ eine mächtige Staubwolke durch die Eiswüste. Eine Erscheinung, bei der nicht auf Anhieb klar ist, was in der sandigen Wolke noch alles schlummern mag.

Im Radau machen sind Andre (Gitarre, Gesang), Denis (Bass, Gesang) und Rocko (Schlagzeug) auf jeden Fall schon Vollprofis, waren und sind die Jungs doch bei Bands wie Cave Canem, Glasses, Perth Express, ProblemIsYou oder The Pyre aktiv. Da hat sich also ganz schön viel Erfahrung zusammengetan, die sich jetzt in diesem neuen Projekt entlädt. Caffeine präsentieren sich als breitbeinige Mischung aus Progressive, Sludge, Stoner und Punk, die so brachial, abgeklärt und trocken über den eisigen Boden donnert, als würde sich nichts und niemand trauen, sich dieser dahinpreschenden Walze in den Weg zu stellen. Der Albumtitel (Serac = Gletschererscheinung) passt zu den messerscharfen Riffs und den zahlreichen, harten Breaks wie die Faust aufs Auge. Ein Bild, das den Sound dieses Debüts, bei dem nahezu jeder Handgriff sitzt, dominiert.

Für Stoner-Fans, die die wuchtige Kraft eines Riffs stets jeder verspielten Melodie der Welt vorziehen würden, dürfte „Serac“ ein Fest werden. Das hier ist der Sound, um seiner Nackenmuskulatur mal wieder ein gepflegtes Work-Out mit Muskelkatergarantie zu gönnen. Caffeines Spiel fühlt sich an wie Rodeoreiten mit einer Überdosis Koffein im Blut nach 36 Stunden ohne Schlaf. Lediglich bei „Padded Cell“ und „Under Hooves“ setzt kurz der Sekundenschlaf ein. Sonst rollt dieser Zug voran, ohne Aussicht auf Halt. Und doch geht während dieses Trips irgendwann der Fokus verloren. Das gewisse Etwas fehlt. Zwischen straight rockenden Mastodon und etwas gezähmten The Bronx wirbelt „Serac“ ganz schön viel Staub auf, der sich aber viel zu schnell wieder legt – zumindest aus der Konserve. Denn um ihre komplette Wirkung zu entfalten, muss man dieses Brett wohl live erlebt haben. Denn Musik um sich damit zu Hause zu verkriechen klingt so nicht.

„Serac“ ist das durchaus gelungene Debüt dieses Hannoveraner Trios. Was sie machen, machen sie richtig und vor allem mit Herz. Nur bleibt die Power und Inbrunst, die ihre Musik transportieren will zum Teil leider in den Boxen hängen. Um die ganze Kraft von „Serac“ zu erleben, muss man den Jungs auf Tour wohl einen Besuch abstatten. Und danach klappt’s sicher auch mit der Tonträgerversion.

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews
Top-Alben Joanna Newsom - Y's | Propagandhi - Today's Empires, Tomorow's Ashes | At The Drive-IN - Relationship of Command
Die besten Konzerterlebnisse Iggy Pop | ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead | NOFX | Escapado | Propagandhi

Hinterlasse einen Kommentar