Caligola – Back To Earth

Band Caligola
Label Universal
Musikrichtung Hip Hop, Indie, Blues
Redaktion
Lesermeinung
5

„Hey, hast du gehört? Mando Diao heißen jetzt anders, Caligola oderso.“ „Echt? Hab ich ja gar nicht mitgekriegt.“ Kein Wunder, stimmt nämlich auch nicht. Hinter Caligola steckt vielmehr der neue Lieblingsgeheimbund von Universal, zu dessen engstem Zirkel eben auch Björn Dixgård/Gustaf Norén gehören. Da die beiden eben keine Unbekannten und die PR-Verantwortlichen des Labels wiederum keine Vollidioten sind, läuft die Promo für „Back To Earth“ naturgemäß voll über die Mando Diao-Schiene. Miteinander zu tun hat beides zwar nichts, aber fame sells bekanntlich.
Nach dem kleinen Marketingeinmaleins, jetzt mal zur Story um Caligola; die könnte nämlich glatt von Dan Brown stammen. Kein Nebenprojekt oder sonstwas Langweiliges, sondern ein Künstlerkollektiv von illustren Gestalten aus Film, Musik und bildender Kunst. Vereint von einer gewissen Violetta besteht dieser bunte Klub schon seit gut 30 Jahren, steht so zumindest überall, denn davon gehört hat vor der Mando Diao-Invasion eigentlich keiner.
Das hat sich nun geändert und spätestens seitdem die beiden Spaßvögel letztes Jahr bei Rock am Ring in Mönchskutten zu Clubmusic ausrasteten war klar, die führen was im Schilde (oder sind völlig besoffen). Mittlerweile ist das Rätsel zu Gunsten der wohl gesünderen Variante gelüftet und das Radio ist längst mit dem ersten Ohrwurm „Forgive Forget“ infiziert.
Die Nummer ist frisch, geht ins Ohr und deutet zumindest schonmal an, dass sich auf „Back To Earth“ einige Musikstile die Hand geben. Namentlich kann man da am ehesten wohl Hip Hop, Electro, Soul nennen, die Mando Diao-Indiekomponente bleibt meist dezent im Hintergrund.
Dementsprechend spielt sich der Großteil des Album auch zwischen Tanzfläche und Lounge ab. „Violettas Dance“ begleitet ganz smooth den Single Malt Whiskey samt kubanischer Zigarre und“My Sister Rising“ bittet danach aus dem Ohrensessel auf die Tanzfläche, wo’s dann zu „Ride The Night Away“ im Takt des Beats entsprechend zur Sache geht. Die Gebrüder Salazar, ihres Zeichens die schwedischen HipHop-Pioniere schlechtin, haben ganz klar die Zügel in der Hand und offensichtlich viel mehr Freude an Hip-Hop der alten Schule, als an dem modernen Mainstreamkonsens (alles vernichtender Beat, krass Hall und am besten noch die ganze Synthiepalette oben drauf).
Wer die zwei Superstars etwas vermisst; die Indieboys besingen einfach lieber die Katerstimmung danach als die Partynacht selbt. „Sad Girl“ etwa, das größte Soundexperiment und gleichzeitig der heimliche Star des Albums. Den leichtmelancholischen Abgang „Angel Ice“ haben sie auch gepachtet und zum Abschluss gibt’s dann „Hapokalypse“, die Sektenhymne, leicht verstörend vielleicht, aber irgendwie genau der Richtige Abgesang auf „Back To Earth“.

Nun hat nach 15 Songs auch der abendliche Ausflug in den schwedischen Underground irgendwann mal ein Ende und nachdem man dann die Kutte zum Trocknen rausgehangen hat, kann man durchaus happy auf „Back To Earth“ zurückblicken. Die Kunst besteht schließlich nicht darin hier eine musikalische Revolution anzuzetteln, sondern schlichtweg darin, verschiedenste Musiker unter einen Hut zu bekommen. Hat geklappt, klingt frisch und wenn Mando Diao sich jetzt noch daran erinnern, was „Ode To Ochrasy“ für ein Brett war und nie wieder „Dance With Somebody“ spielen, ist doch alles in Butter in Schweden. Eller hur?!

Autor Benjamin Fischer
Wohnort Frankfurt
Beruf Journalist
Dabei seit Juni 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Redigatur
Top-Alben The Gaslight Anthem - The '59 Sound / The National - High Violet & Trouble Will Find Me / Bon Iver - Bon Iver
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