Capsize – The Angst In My Veins

Band Capsize
Musikrichtung Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
5

(K)Eine Platte wie jede andere: Capsize aus Kalifornien packen ihren neuen Longplayer „The Angst In My Veins“ in ein düsteres Gewand mit hörbar herbstlicher Grundstimmung. Das ansprechend gestaltete Artwork des Albums mag den ein oder anderen Hörer zunächst irritieren: Nein, man hält hier nicht etwa eine neue Indiepop-Platte in den Händen. Vielmehr als das verträumt dreinschauende hübsche Fräulein auf Cover und Inlay ist die Platte ein rauhes und ungestümes Biest, das nur darauf wartet, losgelassen zu werden.

Wütendes Geschnaufe und galoppierendes Gekreische auf der Vokalistenseite und stets an den richtigen Stellen platzierte Gitarren-Melodik mit tightem Schlagzeug in der anderen Ecke. So könnte man „The Angst In My Veins“ zusammenfassen. Insgesamt gehen Capsize auf dem Album eher gewohnte, wenn auch bewährte Wege. Die zehn Songs sind an sich recht vielfältig in ihren Spielweisen, Tempi und Stilelementen konstruiert, erweitert man jedoch den Blick auf das ganze Genre, so erkennt man hier doch nichts wirklich Neues. Kein Song auf „The Angst In My Veins“ ist schlecht, einige sind sogar ganz gut (beispielsweise der Titeltrack mit Jay Maas von Defeater) und mitunter richtig gut („Linger“, „Calming, Crippling“) – doch herausragend ist nichts.

„The Angst In My Veins“ bietet eine Vielzahl von Emotionen und Stilmitteln, die typisch sind für die momentan anhaltende „New Wave Of Modern Hardcore“. Der Erfolg des Genre gibt Capsize natürlich Recht und machte das Album schon lange zu einem der wichtigsten Releases in diesem Jahr. Die Truppe aus San Diego gibt sich aber auch ordentlich Mühe, den Anforderungen gerecht zu werden. Risikobereitschaft sucht man vergebens, der Geschmack der Fans hat Priorität. Jeder Ersteindruck kann infolgedessen nur gut sein, wenn man auf Bands wie Hundredth, Landscapes oder etwa die Briten von The Cold Harbour steht. Bei genauerer Untersuchung zeigt sich allerdings, dass dem Album statt erzwungener Gefälligkeit ein wenig mehr Mut zum Polarisieren gut getan hätte. Natürlich muss man nicht immer neue Wasser befahren, wenn es sich in den bekannten stets so unbeschwert segelte. Man verlangt ja keine Neuerfindung irgendeines Rades. Doch „The Angst In My Veins“ hätte großartig sein können, so ist es einfach nur sehr gut. Freunde von Counterparts, No Omega, Last Witness oder Bastions werden „trotzdem“ ihren Spaß haben!

Hinterlasse einen Kommentar