Casey – Where I Go When I Am Sleeping

Band Casey
Musikrichtung Melodic-Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
7

Seit ihrem Debüt-Album „Love Is Not Enough“ sind Casey in aller Munde. Kein Wunder, trafen die Briten mit ihrem gefühlvollen Melodic-Hardcore einen Nerv, fast ein wenig so, wie Being As An Ocean es vor fast sechs Jahren mit ihrem Debüt taten. In dem ganzen Trubel haben sich die Briten dann auch recht schnell dazu entschieden, sich ans zweite Album zu wagen, sodass anderthalb Jahre nach ihrem Erstling schon der Nachfolger „Where I Go When I Am Sleeping“ in den Startlöchern steht.

Obwohl Tom Weavers Krankheitsgeschichte bereits den Vorgänger entscheidend geprägt hat, lag der Fokus bei „Love Is Not Enough“ noch auf seinen persönlichen Beziehungen. „Where I Go When I Am Sleeping“ setzt sich nun ganz mit den physischen und psychischen Leiden des Sängers auseinander und zeichnet das Bild eines schwer gebeutelten Menschen, dessen Krankheitsgeschichte eigentlich zu viel für einen einzigen Menschen ist: Gleich bei Weavers Geburt wurden Glasknochen diagnostiziert, im Alter von 15 Jahren Colitis und mit 20 Jahren zu allem Überfluss eine manische Depression. Gleich im ersten Song heißt es daher eindringlich: „Between depression and colitis I lost half of my weight“ („Making Weight“). Und obwohl das alles sicherlich zu dem Versuch einlädt, sich all den Frust und Schmerz von der Seele zu schreien, setzt die Band verstärkt auf ruhige Stücke.

Casey haben schon immer die verletzliche Seite des Menschen thematisiert, mit ihrer Musik Hilflosigkeit und Verzweiflung ausgedrückt. Schon „Love Is Not Enough“ gelang es, dies wunderbar in musikalische Formen zu gießen. Dem neuen Album gelingt das nicht minder gut. „Where I Go When I Am Sleeping“ lebt sowohl von seinen ruhigen, nach innen gekehrte Passagen, als auch seinen aufgeregten, extrovertierten Momenten. Die Herren leisten phantastische Arbeit  an ihren Instrumenten (etwa im Titeltrack oder „Bruise“) und beweisen durchweg ein gutes Gefühl für die richtige Stimmung und Lautstärke.

Textstellen wie „Does it hurt you if I say I can feel the decay? In a hospital bed I wither away. Behind the curtains I’ve been crying almost every night, I don’t want to ache like this for the rest of my life” (Fluorescents), eingebettet in sanft wabernde Melodien und vorgetragen von Weavers zerbrechlicher Stimme, produzieren Gänsehautmomente am laufenden Band. Casey schinden auch ohne gewaltige Soundkulisse bleibenden Eindruck, wie etwa mit dem zerbrechlichen und schüchternen „Needlework“. Droht das Stück beim ersten Hören noch unterzugehen, so lädt es, erst einmal entdeckt, mit seiner sanften und verträumten Melodie zum Verweilen und Versinken ein. Freilich können Casey auch anders: So schreit Weaver zum Beispiel für „Wavering“ kräftig ins Mikrofon.

Die Souveränität, mit der die Band ihr zweites Album geschrieben hat, ist beeindruckend. Weder wärmt die Band schlicht ihr erstes Album auf, noch verzettelt sie sich bei dem Versuch, neue Akzente zu setzen. Ganz im Gegenteil gelingt Casey mit „Where I Go When I Am Sleeping“ ein großes Ausrufezeichen. Zum Schluss hält Weaver dann auch noch eine wichtige Botschaft parat: „In all the ways that I am weak, I am also strong; Learning how to speak gave me the strength to carry on” („Wound”).

Autor Joshua Claaßen
Wohnort Goch
Beruf Schüler
Dabei seit Oktober 2015
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Top-Alben Ständig im Wandel, zu meinen Favoriten gehören aber auf jeden Fall: Stick To Your Guns - Diamond, Being As An Ocean - How We Both Wondrously Perish / Dear G-d, The Ghost Inside - Get What You Give, The Amity Affliction - Let The Ocean Take Me
Die besten Konzerterlebnisse Kann ich mich nicht festlegen, Stick To Your Guns und Being As An Ocean sind live aber immer ein absolutes Highlight!

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