Casper – XOXO

Album XOXO
Band Casper
Label Four Music
Musikrichtung Hip Hop, Indie, Alternative
Redaktion
Lesermeinung
6

Eine Stimme zählt an: „Drei, Zwei, Eins…“ und es bricht ein Gewitter aus Drums und Gitarren durch die Stille und läutet das wohl am sehnsüchtigsten erwartete Album der letzten Monate ein. Der neue Longplayer des Bielefelder Rappers Benjamin Griffey, alias Casper. Nicht zuletzt durch den Fakt, dass das Album bereits einen Monat vor Release auf der Amazon.de Hitliste auf Platz 1 stand, waren Fans und Kritiker gespannt, was genau uns zu erwarten hat. Es soll richtungsweisend werden. Die perfekte Symbiose aus Rap und Indie-Rock und dem stagnierendem Deutsch-Rap aus der Krise helfen. Die Erwartungen sind also groß, wird die Scheibe dem gerecht?
„Der Druck steigt (Die Vergessenen Pt. 1)“ eröffnet das Album und beweist unter anderem das lyrische Geschick des Rappers: Schonungslos offen, malt er mit Worten poetische Kollagen aus Hoffnung und Depression („Lebensstil fragwürdig. Flatrate. Lieber nimmer lieben. Stehen für viel. Fallen für nichts. Besser den Frust aufstauen. Drin zulassen. Scheint in Zeiten einfach keinen Sinn, mehr noch Sinn zu machen“). Blut sehen (Die Vergessenen Pt. 2) ist ein für das Album gesehen, eher minimalistischer gehaltener Song. Synthibeats und Samples tragen hier die Raps, bis am Ende des Songs das Knurren von Wölfen zu hören ist. „Auf und davon“ ist einer der Songs auf dem Album, der genau das zeigt, was Casper scheinbar mühelos schafft: Den Spagat zwischen Indie, Hamburger Schule und Hip Hop. Die Übergänge der verschiedenen Einflüsse wirken homogen und nicht hölzern. Die Arrangements sind so breit gestaltet, dass man immer neue Elemente erkennen kann. Über allem thront die raue Stimme Caspers, die die Songs mit ihrem eigenen Flow voran treibt. Auf dem Titelsong XOXO, was im Netzjargon für so viel wie „Hugs and Kisses“ bedeutet, gibt sich Tomte-Sänger Thees Uhlman die Ehre. Der Song ist ein absolutes Highlight, der durch den gesungenen Refrain Ohrwurmpotenzial entwickelt. Michael X wird von einem treibenden Schlagzeug, Gitarren und Klavier begleitet. Erst leicht zögerlich entwickelt der Song sich zu einem Feuerwerk der Emotionen. „Und deine Mum hält dein Zimmer wie du’s gelassen hast, an dem Moment wo dich Willen und Mut verlassen haben, die Lautsprecher tönen es laut, dein Lieblingslied, aber hörst du das auch?“. Wenn man dem Song lauscht, bekommt man einfach Gänsehaut. Hier passt einfach alles. Musik, Atmosphäre, Lyrics. „Alaska“ weiß ebenso zu begeistern. Ganz raptypisch holt sich Casper auf „So perfekt“ Unterstützung am Mic. Materia, Labelkollege und Freund, begleitet Cas bei diesem sphärischen Indie-Hop Song.

Krass und direkt geht’s auf „230409“. Es wird mit einer alten Liebesgeschichte abgerechnet: „Das wars, auf das was wars, zwischen all den Ficks auf dem Tisch aus Glas. Und hätt‘ ich dich nie gekannt, wär der Ben nur der Casper, der rappt, aber du wärst nur die Frau von der Bar.“ „Kontrolle/Schlaf“, das bereits länger im Internet kursierte, setzt den Schlusspunkt. Mitreisend und Stimmungsvoll. Mit Piano und Streichern. Auch hier geht’s inhaltlich um Schmerz und Verzweiflung. „Was Ruhm und Fame? Zugegeben, kann Ian Curtis mittlerweile gut verstehen. Versuch das Leben rosig zu sehen aber Depression scheint niemals aus der Mode zu gehen.“ Doch schafft Casper diese tiefgründigen Themen auf eine gewisse ehrliche, und nicht weinerliche Art und Weise zu erzählen, sodass man nie das Gefühl hat, hier würde nur das Image des Emo-Rappers gepflegt. Eben dieses verfolgt Casper mittlerweile seit seiner Zeit beim Düsseldorfer Label Selfmade. Doch das ist alles Vergangenheit. Casper 2011 ist etwas Neues.
Denn mit XOXO wird hier ein kleiner Meilenstein der deutschsprachigen Rap-Geschichte abgeliefert. Das Album schafft verschiedene musikalische Bereiche in nahezu perfekter Art und Weise zu vereinen und somit eine breite Hörerschaft anzusprechen und zusammenzubringen. Selten war deutscher Rap offener und ehrlicher und so umwerfend gut inszeniert. Das Warten hatten sich also gelohnt – und um darauf zu zurück zu kommen: Ja, man kann von Vorschusslorbeeren halten, was man will, aber sie waren vollkommen berechtigt. Volle Punktzahl.

Kommentare

  5 kommentare

  1. Slayer

    haha oh man..

  2. Der Kasper

    believe the hype!!!

  3. T-Smash

    Mordsalbum! 🙂

  4. MEEETAAAAAL

    SLAAYEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEERRRRRRRRr

  5. luke

    zu viele scheiß rapper, zu viel hype – nochmal ..!

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