Ceremony / Titus Andronicus – Split

Album Split
Musikrichtung Hardcore Punk, Indie
Redaktion
Lesermeinung
5

Ceremony: „Everything Burns“

Es ist immer von Vorteil, wenn eine Band ihren eigenen Weg geht, statt einfach nur die Erwartungen der Fans an ein neues Album erfüllen zu wollen. Denn Bands, die sich weiter entwickeln, bleiben spannend. Spätestens mit ihrem vierten Album „Zoo“, dem Debüt auf Matador Records, haben Ceremony gezeigt, dass sie machen, worauf sie Lust haben. Und wenn es ein stilistischer Wandel ist, weil die Band zu den Wurzeln ihrer Vorbilder zurückkehren möchte, so sei es.
Wenn sich eine Band nach einem Song der Joy Division benennt und Musiker wie Negative Approach und Tom Waits zu ihren Einflüssen zählt, dann wird eines schnell klar: Die Jungs stehen auf Post-Punk und die Achtziger, eben die „alte Schule“. Angesichts dessen ist die Richtung, die sie 2012 mit „Zoo“ einschlugen, eine absolut logische Konsequenz.

Von genau diesem Album könnte auch der Beitrag der Kalifornier auf der Split-EP mit Titus Andronicus stammen. „Everything Burns“ ist „Zoo“ mit einem Bleifuß. Hervorragend produzierter Garagenrock mit einer Prise Noise, so wie ihn Sonic Youth und andere einst spielten. Dazu die rotzigen Vocals, die an die frühen Bay Area Hardcore-Bands erinnern und ein stimmiges Gesamtpaket inklusive mitgröhlbarem Refrain entsteht. Somit macht der Song seinem Titel alle Ehre und brennt sich mit angenehmer Schärfe in den Gehörgang.

Titus Andronicus: „In A Big City“

Lo-Fi, das ist nicht bloß das Gegenstück zu Hi-Fi, nicht nur ein musikalisches Genre oder eine bequeme Ausrede für die unterirdischen Erzeugnisse minder begabter Musiker. Nein, es ist eine Philosophie. Aus sehr wenig sehr viel machen, Minimalismus, also Konzentration auf das Wichtige, ist dabei angesagt, und kein überflüssiger Luxus. Manche Leute mögen sich jetzt fragen, wie man Musik gut finden kann, die vorsätzlich in schlechten Räumlichkeiten mit noch schlechterem Equipment in absolut schlechter Qualität aufgenommen wurde. Die anderen hören einfach weiterhin Black Metal. Oder eben Lo-Fi.

Zweifellos gehören Titus Andronicus zu den glaubwürdigsten Vertretern dieses puristischen Stils, was auch der ehrwürdige Rolling Stone ehrte, indem er die fünfköpfige Gruppe aus New Jersey 2010 zu den sieben besten Newcomern des Jahres zählte. Wie genau die Zusammenarbeit mit Ceremony zustande kam, das scheint leicht geklärt: Man kennt sich eben, schließlich tourte man zusammen. Und das gemeinsame Label Matador Records wird sein Übriges dazu beigetragen haben, dass die 7“ EP entstehen konnte.

Titus Andronicus, übrigens nach einem Stück von William Shakespeare benannt, schufen mit „In A Big City“ einen eingängigen, poppigen, fast schon harmlos-naiven Indie-Song, der indes kein physisch unangenehmes Hörerlebnis darstellt. Doch was soll man von Lyrics denken, die Zeilen wie „I don’t know much but I know which side’s buttered on my toast / From jersey I come but I pump my own gas / I’m a dirty bum but I wipe my own ass.“ beinhalten. Genauso belanglos klingt „In A Big City“ nämlich auch, und nach 10 Minuten ist der Titel in Vergessenheit geraten.

Wäre die EP ein Wettbewerb, so hätten ihn ohnehin nur Ceremony gewinnen können. Sie folgen weiterhin nur ihrer eigenen Nase, machen keine halben Sachen, dafür aber alles richtig.

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