Childish Gambino – Awaken, My Love!

Musikrichtung Blues, Funk, Hip Hop
Redaktion
Lesermeinung
6

Für viele war das Jahr 2016 der blanke Horror. Donald Glover aber wird stolz darauf zurückblicken. Mit der Serie „Atlanta“ hat der 33-Jährige ein beachtliches und viel bestauntes Produzentendebüt hingelegt. Obendrein wurde er für die prestigeträchtige Rolle des Lando Calrissian in den kommenden Han Solo-Spinoffs der Star Wars-Saga bestätigt. Nachdem bereits Miles Morales, Nachfolger von Peter Parker als Alter Ego der Kultfigur Spider Man in den Marvel-Comics, nach seinem Vorbild gezeichnet wurde, lässt sich definitiv festhalten: Die Popkultur-Welt liegt Glover zu Füßen.

Bis hierhin war es ein beschwerlicher Weg. Dieser führte Glover vom Schreiber für 30 Rock über die Rolle des kindlich-sympathischen Troy Barnes in der Sitcom Community und diverse Stand Up Comedy-Programme auch zu diversen Mixtapes und Alben als Rapper Childish Gambino. Langsam aber sicher hat er sich so ins Herz der amerikanischen Medienlandschaft gearbeitet. Seit Jahren tingelt Glover durch die dortigen Fernsehshows, überzeugt mit Talent gleichermaßen wie mit seinem beinahe spleenigen Charme. Wenig greifbar wirkt er, manchmal sogar unnahbar, aber dennoch zu keiner Zeit aufgesetzt oder überheblich – schlicht authentisch und sympathisch eben.

„Awaken, My Love!“ ist der lang erwartete Titel des dritten Studioalbums von Childish Gambino. Und Glover wäre nicht Glover, hätte er sich für dessen Präsentation nicht wieder etwas ganz Besonderes ausgedacht. Via der ominösen „Pharos“-App lud der Tausendsassa seine Fans im Spätsommer ein, inmitten der Leere der kalifornischen Wüste mit ihm für drei Tage campen zu gehen. Jeden Abend gab es eine exklusive Performance – hermetisch abgeriegelt von der Außenwelt wurden die neuen Songs in einer eigens aufgebauten Sternenkuppel stilecht in Bastrock, grünen Rastas und Gesichtsbemalung präsentiert. Kaum eine Information drang nach draußen, die wenigen Eingeweihten hielten dicht. Einige Monate später erblickte dann wie aus dem Nichts der erste Vorab-Song mit „Me And Your Mama“ das Licht der Welt und Glovers neues Album wurde noch für den Dezember angekündigt.

Dabei war der Song gleichermaßen überraschend wie wegweisend: Den Backpack-Rap vorheriger Releases hat Glover hinter sich gelassen. Erwachsener wirkt seine Musik – durch die Rückbesinnung auf die Wurzeln des Ganzen. Viel Soul und Funk, hier getragen von klassischen E-Gitarren, dort geführt von treibenden, auf und ab springenden Beats. „Awaken, My Love!“ ist ein Kunstwerk, jeder Song eine für sich stehende Rückbesinnung auf ethnisch-musikalische Wurzeln, vermischt mit modernen Elementen. Glover ist sich nicht zu schade, unaufdringliche Autotune-Elemente einzubauen, lautstark fordernde Gitarrenbreaks oder aber schwebende Beats zu verwenden, die sich bis in Ambientgefilde strecken. Das Projekt „Awaken, My Love!“ wurde dabei zu einem überaus ambitionierten Ansatz, dem Glover aber zu beinahe jeder Zeit gerecht werden kann. Seine Experiementierfreudigkeit wird belohnt.

Kendrick Lamar konnte sich vor Jahresfrist zurecht für sein Linsen über den Tellerand und die musikalische Rückbesinnung feiern lassen. Gleiches hat Glover für „Awaken, My Love!“ verdient. Es ist ein außergewöhnliches Album geworden, eines für die Massen. 2016 hat am Ende eben doch auch die ein oder andere positive Seite.

Autor Sascha Schüler
Wohnort Wechselt
Beruf Nein
Dabei seit Juni 2010
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