Cloakroom – Time Well

Album Time Well
Band Cloakroom
Musikrichtung Shoegaze, Alternative, Rock
Redaktion
Lesermeinung
7

Shoegaze ist ein alter Hut. Shoegaze versetzt mit stonerlastig prägnanten Riffs statt ausschließlich zuckersüßer Reverb-Träumerei ein vielleicht nicht ganz so häufig geflickter. Cloakroom aus Indiana haben sich letzteren bereits auf dem Vorgänger „Further Out“ aufgesetzt. Die Löcher sind größer geworden, der Sogkraft tut dies keinen Abbruch – ganz im Gegenteil.

„Time Well“ ist wie ein düsterer Traum in frühesten Morgenstunden: Die oftmals tonnenschweren Riffs mit dezentem Metal-Appeal rütteln einen nachhaltig aus dem Tiefschlaf, doch bleibt das mollige Gefühl eines dösigen Zustands, dessen Aufrechterhaltung noch für geraume Zeit genossen werden kann. Langsam und gemächlich bahnen sich die ersten Sonnenstrahlen durch die Vorhänge und legen das Zimmer in ein diesiges Licht, in dem Staubkörner tanzen. Die Luft wirkt leicht muffig, aber nicht unangenehm stickig, sondern trägt nur bei zu diesem tranceähnlichen Zustand. Grenzen zwischen Realität und Traum verschwimmen immer wieder, nur um zusehends häufiger deutliche Konturen zu bekommen. Die Welt draußen liegt noch in geruhsamen Schlaf, friedlich und ausgeglichen. Doch innen, da brodelt es bereits unter der Oberfläche. Mit der Kraft einer anlaufenden Zentrifuge bahnen sich immer häufiger Gedanken ihren Weg ins Bewusstsein, ohne jedoch zielgerichtet in Bahnen zu lenken.

Cloakroom zelebrieren auf „Time Well“ eine schwermütige Prägnanz, die so auch im oftmals undurchsichtigen Dickicht verträumter Gitarrenmusik nicht untergeht. Das gelang ihnen schon auf „Further Out“, auf dem neuen Album wirkt das Ganze aber nochmal ausgeklügelter. Vereinzelt schwere Soli, 90er-affine Riffs und der flächige Gesang setzen sich gemeinsam mit dem düsteren Grundtenor und dem äußerst zurückhaltenden Tempo zu einem durchweg runden Gesamtbild zusammen, dessen große Stärke wieder darin liegt, einen ungemeinen Sog zu entwickeln.

Autor Sascha Schüler
Wohnort Wechselt
Beruf Nein
Dabei seit Juni 2010
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