Cloud Nothings – Last Building Burning

Album Last Building Burning
Musikrichtung Noise Rock
Redaktion
Lesermeinung
4.5

Dylan Baldi ist rastlos und spontan. Unzufrieden mit der fehlenden „Heaviness“ der meisten aktuell angesagten Gitarrenbands schüttelt der nimmermüde Kreativkopf der ehemaligen Ein-Mann-Kapelle Cloud Nothings nur ein gutes Jahr nach dem letzten Output ein neues Album aus dem Ärmel. Die Mission: Dem Rock die Unberechenbarkeit zurückbringen, die Ecken und Kanten, die Gefährlichkeit. Auch mit Gewalt, wenn es denn sein muss. Gut gebrüllt, doch was hat „Last Building Burning“, Platte Nr. 5 der Clevelander, nun neben den großen Ambitionen zu bieten?

Es beginnt wenig subtil mit dem angekündigten Sprung in den Abgrund: „On An Edge“ wird seinem Namen absolut gerecht, eröffnet das Album mit druckvollen Schrammelgitarren, Stakkato-Drums und abgehacktem, stumpfem Geschrei. Ja, auf den ersten Blick ist das definitiv Musik – den Song muss man in all dem Getöse aber erst suchen gehen. Kollegen wie Metz oder No Age nicken anerkennend, während Baldi die Cloud Nothings hoch erhobenen Hauptes in die Schlacht führt. Ein paar Hördurchgänge später schält sich die Melodie unter dem Krach heraus und kurz darauf – „Leave Him Now“ braust los – weiß man, wo man ist:

Seit der zweiten Platte „Attack on Memory“ und einer schicksalsträchtigen Begegnung mit Steve Albini sind Baldis Cloud Nothings Profis darin, eingängige Bubblegum-Melodien in schrägen, zerfledderten Power-Noise-Pop zu kleiden. Spätestens beim zweiten Song sind sie auch auf „Last Building Burding“ dann wieder deutlich in ihrem Element. Das Ganze ist nur nicht mehr so offensichtlich wie noch auf dem Vorgänger „Life Without Sound“: Entweder ist der Pop hier ein Meister im Versteckspielen oder aber bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt.

„They won’t remember my name“: Auch „In Shame“ macht nichts verkehrt und vereint sämtliche Trademarks der Band, straighten Indie-Rock mit Hook und Fuzz. „The Echo of the World“ knüpft nahtlos dort an, denkt den Post-Hardcore weiter und schweift ab in shoegazige Höhen. Und dann soviel zum Stichwort Unberechenbarkeit: Wer die kleinen Geschwister „Wasted Days“ und „Pattern Walks“ der vergangenen Alben schon für zähe, maßlose Krachmonster gehalten hat, beißt sich an „Dissolution“ nun bestimmt vollends die Zähne aus.

Der zunächst straighte Song zerplatzt kurz vor der dritten Minute einfach und mündet in eine wirre Kakophonie des Krachs, Feedbacks und sphärischen Quietschens. Ein bisschen wie eine unkontrollierte Jam-Session: gar jazziges Schlagzeug, weißes Rauschen galore und am Ende dann doch wieder ganz Song. Man reibt sich verwundert die Ohren, bevor man merkt, dass mittlerweile tatsächlich die Zehn-Minuten-Marke geknackt worden ist. Böse Zungen könnten hier von Kalkül sprechen oder „Ist das noch Kunst?“ fragen. Baldi interessiert sich nicht die Bohne dafür und ist in Gedanken schon beim finalen Akt.

Denn schleichend, fast zaghaft, kehrt am Schluss der Pop zurück. Das schwerfällige „So right, so clean“ und das muntere „Another Way of Life“ zelebrieren die traditionelle Cloud Nothings-Hymne, kriegen die Kurve zum Restwerk der Band und streicheln die Seele mit eingängigen Singalongs und weltumarmenden Melodien. „I wish I could believe in your dreams.“ Mission erfüllt. Die Cloud Nothings brennen die Hütte, nein, die ganze Stadt ab und beweisen einmal mehr, wie eigenwillige, faszinierende Rockmusik anno 2018 zu klingen hat: genau so.

Autor Ralf Hoff
Wohnort Frankfurt
Beruf Student
Dabei seit Oktober 2018
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Top-Alben Jawbreaker - Dear You, Elliott Smith - Either/Or, The Smashing Pumpkins - Siamese Dream, Placebo - s/t, The National - Boxer/High Violet, Nirvana - In Utero
Die besten Konzerterlebnisse u.a. Black Rebel Motorcycle Club (Luxemburg), Cloud Nothings (Köln), Wolf Alice (Frankfurt) und ganz ganz viele Shows im Exhaus in Trier

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