Coldburn – Down In The Dumps

Band Coldburn
Musikrichtung Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
6

Vor gut zwei Jahren haben sich Coldburn mit ihrem Debüt „The Harsh Fangs Of Life“ an die Speerspitze des deutschen Hardcore katapultiert. Nach einem derart guten Debüt, das sicher bei so einigen immer noch regelmäßig eine Runde auf dem Plattenteller dreht, sind die Erwartungen an den Nachfolger freilich ungemein hoch. Die Liste an Szenegrößen, mit welchen die Leipziger bislang die Bühne geteilt haben, muss hier nicht erst angeführt werden – diese Band bedarf kaum noch großer Worte. Album Nummer zwei, „Down In The Dumps“, erscheint nun in diesen Tagen und ist, so viel sei bereits zu Anfang gesagt, ein mehr als würdiger Nachfolger!

Die Songs auf „Down In The Dumps“ sind nicht nur ein ganzes Stückchen düsterer, sie sind gleichzeitig auch noch härter geworden. Der Opener „Wish I Could“ präsentiert sich so zwar melodisch, aber eben auch schlichtweg kompromisslos, was der abschließende Breakdown mehr als deutlich macht – ohne Frage eines der Aushängeschilder des Albums. Dennoch wird die Melodie auf „Down In The Dumps“ nie komplett zu Gunsten von Breakdowns oder Moshparts verworfen. Unter anderem „Burial Hill“ und „No Need“ wirken mit ihren rau gesungenen Refrains äußerst eingängig. Wohingegen etwa „Heavy Lies The Crown“ die grobe, im New Yorker Hardcore der frühen Neunziger verwurzelte Seite von Coldburn zum Vorschein bringt (Biohazard und Madball lassen grüßen!): „Nothing will ever bring me down. Call me king, heavy lies the crown.“

Dass Coldburn einen Hang zur Dramatik haben, bewiesen nicht nur die äußerst persönlichen Lyrics auf „The Harsh Fangs Of Life“, einhergehend mit den Referenzen zu Robert Frost: Auch „Down In The Dumps“ präsentiert sich ähnlich gehaltvoll. Es ist förmlich gespickt mit Texten, die sprichwörtlich unter die Haut gehen und eine verstörende Stimmung vermitteln, die so schnell nicht vergeht.

„All the closed eyes, the reapers hands, are the fears of getting hurt by ourselves. If stories are dead pictures, the future is black. When I’m done with my time here I’m sure I won’t come back.“

So ist „Down In The Dumps“ ein ein düsteres und schonungsloses Album geworden. Ob nun, „Wish I Could“, „Lingering Death“ oder das abschließende „Letdown“ – selten hat eine Hardcore-Band eine derartig einnehmende, düstere Atmosphäre geschaffen, die vom ersten Ton an durchgehend mitreißt. Coldburn bieten einem so zwar keinerlei Verschnaufpausen, sodass „Down In The Dumps“ auf Dauer vielleicht etwas kurz wirken mag, doch das verzeiht man bei derartig kompromisslosen und frischen Songs gerne.
Schon auf ihrem Debütalbum konnten Coldburn mit David Wood von Down To Nothing einen prominenten Guestvocalist verpflichten, dieses Mal aber legen sie sogar noch einen drauf: Neben Chris Linkovich von Cruel Hand ist auch Dan Mills von Cold World auf „Down In The Dumps“ zuhören. Ohne Frage eine Starbesetzung, die hier geboten wird und zum ohnehin abwechslungsreichen Gesamtbild des Albums einen guten Teil beiträgt.

Mit „Down In The Dumps“ manifestieren Coldburn ihre Stellung in der deutschen Hardcore-Szene nicht nur, nein: Die Leipziger zeigen, dass guter Hardcore nicht zwingend aus den Vereinigten Staaten kommen muss. Europa, so viel ist sicher, läuft Amerika langsam den Rang ab. Und daran tragen Coldburn eine ungemeine Mitschuld. Kompromisslos, düster, abwechslungsreich – das ist „Down In The Dumps“.

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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