Comeback Kid – Outsider (Doppel-Review)

Album Outsider
Musikrichtung Hardcore, Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
7

„Outsider“ – der Titel des neuen Albums scheint das Sein der fünfköpfigen Band perfekt zu beschreiben. Seit nunmehr 15 Jahren gehen die Kanadier ihren eigenen musikalischen Weg abseits jeglicher Trends. So gelang es ihnen mit Klassikern wie „Wake the Dead“ eine ganze Generation an Hardcore-Kids zu prägen. Bei den Jüngeren hingegen scheinen Comeback Kid etwas in Vergessenheit geraten zu sein. Dabei könnte ihr neues Werk kaum frischer sein.

„Outsider“ – zwar nicht ganz wie ein Außenseiter, aber immerhin wie ein wildes Kind, das voller Tatendrang in die weite Welt hinausläuft, verhält sich diese Platte im Vergleich zu ihren Vorgängern. Natürlich merkt man dem Sprössling das gute Elternhaus an. Die typischen metallischen Gitarrenriffs treiben den Hörer stetig voran, ohne dabei zu Vergessen einige starke Melodien vom Stapel zu lassen. Auch einprägsame Refrains und Gangshouts dürfen natürlich nicht fehlen. So weit so bekannt. Besonders macht dieses Kind aber, dass es eben eigentlich keines mehr ist. Comeback Kid gehören zu den alten Hasen in der Szene. Der Platte merkt man dies aber in keiner Sekunde. Sie verbreitet mit jedem Atemzug eine enorm punkige Energie, die so manch junger Band fehlt.

Im Gegensatz zum Vorgänger „Die Knowing“ wirkt alles stimmiger und markanter auf den Punk(t) gebracht. Dies ist umso bemerkenswerter, da die Herren sich obendrein in neue Gefilde wagen und das mehr als gut machen. So ist „Absoulte“, das in Zusammenarbeit mit Devin Townsend entstand, ein echtes Kleinod geworden. Die klassischen Elemente der Band treffen auf noch packendere Metal-Riffs, die mit einem harten catchigen Refrain gepaart werden und schließlich in einem Two-Step-Part entladen. Doch was so besonders an diesem Album ist, zeigt der Song „Hell of a Scene“ am besten. In unter zwei Minuten wird der Hörer mit dem Punkknüppel voran geprügelt, nur um dann zusammen mit jenem lächelnd über den luftigen Refrain zu tanzen. Großartig!

„Outsider“ – ein Album, das auf jeden Fall überrascht. Ein Album mit dem Comeback-Kid zeigen, dass sie ihren Spaß und die positive Energie überall die Jahre bewahrt haben. Die Kanadier zeigen, wie relevant man auch als alte Hasen noch sein kann, wenn man denn will. Man kann nur hoffen, dass die jüngere Hardcore-Generation auf dieser Platte ihr eigenes „Wake the Dead“ entdeckt. Kandidaten dafür gibt es auf jeden Fall mehr als genug!

– (7/8) Aaron-Corin Hane

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Punk. Diese Platte ist Punk. Nicht nur, weil man den musikalischen Einfluss eindeutiger hört denn je. Sondern weil sich hier eine Band ganz bewusst über die Erwartungen der Hörer und das eigene, über Jahre selbst definierte enge Korsett innerhalb des Genres Hardcore hinwegsetzt.
Dieses Album hätte man 2017 nach 15 Jahren Bandgeschichte nicht von Comeback Kid erwartet.

Nicht, dass Comeback Kids metallischer, beizeiten hymnischer Hardcore schlecht geworden wäre über die Jahre. Aber, Comeback Kid werden für immer mit ihrem Überalbum „Wake The Dead“ verglichen werden; für manch einen war sogar bereits mit der ersten Platte „Turn It Around“ der Höhepunkt erreicht. Danach war eigentlich klar: Ein Comeback Kid Album klingt wie ein Comeback Kid Album klingt wie ein Comeback Kid Album. Aber an die genannten Platten kommen die neuen Releases nicht heran. Überraschungen und Entwicklungen musste man eher im Kleinen suchen oder fand sie im Großen außerhalb, beispielsweise in Andrew Neufelds Nebenprojekt Sights & Sounds.
Das sechste Ablum der Band klingt da nun wie ein Befreiungsschlag aus diesem selbstgesteckten Rahmen. Der Metaleinfluss wird thrashiger, die Hymnen hymnischer und auch sonst klingen eigentlich alle Songs nicht mehr „nur“ nach Comeback Kid.

Was sofort auffällt, Andrew Neufeld hat seine Singstimme nicht mehr nur vornehnmlich für Sights & Sounds-Songs reserviert – oder für Gastauftritte bei anderen Bands (z.B. „Deus Ex Machina“ von Polar). Auf Comeback Kid-Alben war sie bislang bekanntlich eine Rarität (siehe „Didn’t even mind“ auf „Die Knowing“). Die Vorab-Singles „Somewhere, Somehow“, „Surrender Control“ oder „Recover“ bestechen durch hymnische, gesungene Refrains. Dass Andrews Schrei- und Singstimme so nahe beieinander liegen, tut den Songs hörbar gut.
Bei anderen Songs lässt man den ein oder anderen Einfluss von außen mit in den typischen Comeback Kid-Sound hineinfließen. Startet die Platte mit „Outsider“ noch atypisch, muss man beim Anfangspart von „Absolut“ erst einmal an Terror denken. Bei „Blindspot“ wird einfach mal Sick Of It All und Strike Anywhere zusätzlich durch den Mixer gedreht. Die Strophe klingt fast, als wäre Lou Koller persönlich am Mikrofon, um es für den Refrain direkt an Thomas Barnett zu übergeben, der dann auch gleich bei „Recover“ noch mal ran darf.

„Hell Of A Scene“ reizt die Genregrenzen modernen Hardcores fast soweit aus, wie man es etwa bei Turnstile gewohnt ist, und verknüpft wildes Geknüppel in der Strophe direkt mit einem Midtempo Punk-Refrain. Auch bei „I’ll Be That“ kommen einem eben jene Turnstile als möglicher Vergleich zu den zusätzlichen Einflüssen im Comeback Kid Sound in den Sinn. „Outsider“ ist das erste Album, das CBK weltweit über Nuclear Blast veröffentlichen. Der Sound ist über jede Kritik erhaben. Gitarren und Drums drücken ohne Ende und trotzdem ist das Gesamtergebnis immer noch sehr transparent. Mehrstimmige Chöre und massive Crewshouts vervollständigen das Bild.
Als Gäste hat man sich mit Chris Cresswell (The Flatliners), Devin Townsend und Northcote sehr unterschiedliche Musiker geladen. Wobei hauptsächlich die dunkle, ruhige Stimme von letztgenanntem dem finalen „Moment in time“ seinen eigenen Stempel aufdrückt.

Vielleicht nicht jedermanns Sache; aber vermutlich werden alle, die ein typisches Comeback Kid-Album erwarten, den ein oder anderen Song für gewöhnungsbedürftig halten. Einfach, weil „Outsider“ den bekannten Sound in so viele Richtungen weiterentwickelt, ohne sich dabei zu verlieren. Um die Bandbreite der Platte zu erfassen, bieten sich „Recover“ und „Livid, I’m prime“ als Anspieltipps an. Die vorab veröffentlichten Videosingles sind an sich auch schon allesamt Hits. In Summe eine ganz starke Platte, mit der die Band einen großen Schritt aus dem eigenen Schatten heraus macht, ohne das bisherige Werk zu verleugnen.

– (7/8) Tobias Luger

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