Copeland – Ixora

Album Ixora
Band Copeland
Label Tooth & Nail
Musikrichtung Indie, Emo
Redaktion
Lesermeinung
6

Welch ein Affront. Unverschämt, eine Frechheit sondergleichen diese Frage: „Have I Always Loved You?“ – zumindest, sollte sie dem gemeinen Copeland-Fan ein Bekenntnis abverlangen wollen. Schließlich war das Quartett nicht nur in Kritikerkreisen eine Herzensangelegenheit: Ganz im Bilde ihres inoffiziellen Berufsethos (so sentimental wie nur möglich klingen!) dürften 2008 so einige Sturzbäche entsprungen sein. Denn da kamen die Herren auf die glorreiche Idee nach „You Are My Sunshine“ jetzt auch mal genug voneinander zu haben. Schon frech, sechs Jahre später dann mit so einer Frage um die Ecke zu kommen.

Nun ist den Herren aber selbst diese Dreistigkeit zu verzeihen, denn „Ixora“ entschädigt für das nonchalante Farewell. Und zwar in angemessener Form! Was bei Copeland so viel bedeutet wie: Die bitteren Abschiedstränen werden mit süßen neuen getrocknet. Das klingt jetzt furchtbar kitschig. Und bei neun von zehn Bands ließe sich auch genau so eine grässliche Schmalz-Schmonzette ankündigen. Korrekt. Aber nicht mit Copeland!

„Ixora“ ist feinfühlig, ergreifend, oft wunderschön, manchmal tieftraurig – kitschig aber nur in Ausnahmefällen. Das anfänglich geschmähte „Have I Always Loved You“ weist den Weg, auf dem diese heikle Wanderung so prächtig gelingt: “never mind their talking down the dreamers, our world is standing still, they wake up much too much, but see our castle will be high above their arrows!” solche Weisen können schnell schmierig klingen, nicht aber wenn Adam Marsh sie singt. Die Nuance an verzagter Brüchigkeit, welche in seiner zart-feinen Stimme mitschwingt, beugt jedem Abdriften vor. Vielmehr fasziniert die furchtlos-radikale Intimität auf „Ixora“ so umso mehr. Nicht zuletzt auch weil sie ohne große Theatralik dargeboten wird: Ein Symphonieorchester ist ne’ klasse Sache (und klingt grandios), aber überflüssig, wenn man bereits mit einigen wenigen Piano-Tönen eine mustergültige Ballade wie „Ordinary“ zelebrieren kann.

Copeland verstecken sich nicht. „Ixora“ ist eine totale Emanzipation der Emotionen. Die funktioniert auch auf synthieunterspültem Beat-Gerüst („Lavender“). Für Copeland eine Revolution und, leider, Ausnahme. Die Kreativpause „Like A Lie“ hätte gut und gerne einem weiteren Experiment weichen können. Hier ist „Ixora“ ein einziges Mal dann eben doch ein tausendfach gehörtes Feuerwerk der Banalität. Die Antwort des Quartetts kann sich aber sehen lassen. Der kurze Kreativitäts-Ausfall wird einfach mit zwei Übersongs kaschiert! In „Chiromancer“ und „In Her Arms You Will Never Starve“ widmen sich Copeland nämlich ihrer Paradedisziplin: perfekt arrangierte Balladen mit sachtem Indie-Rock-Anstrich versehen. Zu „Chiromancer“ bittet Marsh dann obendrein die bezaubernde Steff Koepen zum gegenseitigen Anhimmeln. Ein prächtiger Vorgeschmack auf die Krönung: Alles, was dieses Album ausmacht, fließt auf „In Her Arms You Will Never Starve“ zusammen und erhebt sich zur Hymne. Zur finalen Umarmung.

„the oceans of her kindness, they will pull you under, so fall in, break through it and when you stumble in the cold, she will urge you onward“

Ein ganzes Album hiervon, Marsh & Co könnten mit dem Segen all ihrer Gönner in den Ruhestand gehen. Das aber ist „Ixora“ nicht. Bei aller Qualität. Also muss es wohl oder übel mindestens noch Album Nummer sieben sein. Das habt ihr jetzt von eurem Comeback – selbst Schuld!

Autor Benjamin Fischer
Wohnort Frankfurt
Beruf Journalist
Dabei seit Juni 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Redigatur
Top-Alben The Gaslight Anthem - The '59 Sound / The National - High Violet & Trouble Will Find Me / Bon Iver - Bon Iver
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