Cremations – 1 4 1 7

Album 1 4 1 7
Band Cremations
Label -
Musikrichtung Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
6

Eine Band, die sich für ihre Release-Show als „Geballer“ ankündigt, weckt erst einmal eine gewisse Erwartungshaltung. Und Geballer gibt’s hier definitiv auf die Ohren, doch das ist nicht alles. Mit Cremations hat sich fast schon eine Allstar Hardcore-Band im Raum Hannover gebildet. Mit Eastwood, Empty Vision, Downfall Of Gaia und King Apathy ist die Name-Dropping Liste der vergangenen und aktuellen Projekte der vier Mitglieder prominent gefüllt. Mit Cremations erkunden sie nun aber auch andere musikalische Gefilde. 

Gerade einmal zwei Jahre nach der ersten Probe liegt mit „1 4 1 7“ das Debüt der Herren vor. Und schon beim ersten Hören wird klar, auf welchem Niveau die Band hier agiert. Mit den Songs passen Cremations vermutlich direkt ins Deathwish-Rooster zwischen Converge (wenn sie nicht zu vertrackt oder groovig sind), Hope Conspiracy oder Trap Them. Meistens geht es gerade nach vorne, ohne aber nicht auch mal zwischendurch den Fuß aufs Bremspedal zu setzen („White Shadows“) oder den 4/4-Takt auch mal zu verlassen („Eyes Wide Shut“).

Neben der Ab-in-die-Fresse Attitüde finden sich in allen Songs obendrein immer wieder kleine Versatzstücke, die aus diversen angrenzenden (Sub-)Genres kommen und jeden einzelnen Song für sich interessant und besonders machen: Da sind etwa die Melodien in „Liars“,  wie man sie in der Art auch von Poison The Well zu Zeiten von „You Come Before You“ und „Tear From The Red“ gehört hat, immer mit einer leicht disharmonischen Kante. Zwischendrin wird in „White Shadows“ mal für ein paar Sekunden ein klassisches Metalcore-Riffing eingestreut. Der Anfang von „Unpromising“ weckt Erinnerungen an den groovenden Metal von Twelve Tribes, um dann im nächsten Moment in ein Biest von Strophe überzugehen, das auch Hatebreed gut stehen würde. Dann wiederum gibt es die Momente, in denen man sich unweigerlich in Richtung von Melodic Hardcore á la Carpathian oder Killing The Dream unterwegs fühlt (etwa in den Endteilen von „No Shelter“ und „White Shadows“).

Das Ganze macht „1 4 1 7“ zu weit mehr als bloß zu simplem Geballer. Die Platte ist immer interessant, aber immer auch ein bisschen querliegend, sodass man nicht den einen Hit identifizieren kann. Mit dieser EP legen Cremations die Messlatte zweifelsohne hoch für das geplante Album. „Nach dem Demo ging’s bergab“ oder aber auf dem Weg, sich die eigene Genre-Nische zu basteln. Wir sind gespannt!

Autor Tobias Luger
Wohnort Hamburg
Beruf ja
Dabei seit 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Fotos, manchmal Interviews oder Reviews
Top-Alben Poison The Well - The Opposite Of December, Shai Hulud - That Within Blood Ill-Tempered
Die besten Konzerterlebnisse Have Heart, Edge Day 2009 - Boston

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