Dagger Threat – Gestaltzerfall

Musikrichtung Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
7.3333333333333

Hauptsache dagegen! “Against racism, against facism, against homophobia, against sexism”, das hat sich der Fünfer aus Hamburg auf die Fahne geschrieben. Macht doch schonmal einen sympathischen Eindruck und nach zwei EPs („Reality Bites“ & „History Repeats“) haben sie nun auch ein Album am Start.

Und schon beim ersten Durchlauf wird klar, aus musikalischen Richtung Sascha Meier (Drums), Fynn Diedrichsen (Bass), Dennis Voigt und Nicolas Hoff (Gitarren) und Tim Rogler (Gesang), entstammen: Mit dem Opener “Diagnosis” lässt so manches Staccato Erinnerungen an Bands wie Fear Factory wach werden. Die Releaseparty auf dem Return to Strength Fest zelebrierte man dann in Jumpsuits und  mit Slipknot-Intro.

“Coffin Nail”  für sich allein ist schon bunt gemischt mit seinen Beatdown-Passagen, Blastbeats und Grooveparts, die ordentlich ins Gesicht drücken; da wirkt das Instrumental “Treatment” beinahe wie eine kleine Ruheoase inmitten der Apokalypse, nur um damit “Dystopia” aufzugreifen: Neben den klassischen Breakdowns überraschen die Jungs plötzlich mit zum Teil orchestralen Vocals und atmosphärischem Klangbild, wie zu Ulvers alten Black Metal-Zeiten. Der Gesang rundet das Konzept ab und klingt als ob Rogler kurz davor steht, sich in all seiner Wut und Verzweiflung den Kopf zu rasieren. “All the voices in my head, all the problems in my head, I’m petrified and defenseless, I want to turn them-OFF!” erklingt es in “Twists and Turns”.

Was das ganze Album an sich spannend macht, ist die Trackliste, durch die sich ein roter Faden spinnt. Nach der Diagnose folgt die Therapie . In “Reformed” findet sich dann vielleicht schlussendlich die Erkenntnis: “…even though I’m fine and life is pretty okay / Maybe this comes from the daily struggle in my life”. Das instrumentelle “Cure” zum Schluss ist der Soundtrack zur inneren Mitte: Clockwork Orange in a Nutshell.

“Gestaltzerfall” ist ein mehr als abwechslungsreiches Debüt geworden. Jeder Song scheint minutiös arrangiert und platziert worden zu sein, während ein Hauch NWOAHM darüber weht. Dass man in ein Roster aufgenommen wurde, welches Bands wie Nasty oder Malevolence beinhaltet, hat mit Sicherheit seinen guten Grund.

Autor Philip Kleinau
Wohnort München
Beruf Techniker
Dabei seit Juni 2019
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Berichte
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