Dave Hause – Bury Me In Philly

Band Dave Hause
Musikrichtung Punk, Folk
Redaktion
Lesermeinung
5

Dave Hause war schon als Loved Ones-Sänger ziemlich umtriebig. Alleine mit Akustikgitarre hat sich das nicht geändert. Mittlerweile hat er zwar wieder eine Band um sich geschart (und die allen Ernstes „The Mermaid“ genannt), doch Mr Hause hat weiterhin alles fest im Griff. Auf “Bury Me In Philly” gibt es also nicht mehr viele Singer/Songwriter-Spielereien mit einsamer Gitarre, wie sie noch auf “Resolutions” zu hören waren. Dafür sorgen, wie auch schon auf “Devour”, seine fleißigen Begleiter: Permanent zwei bis drei Gitarren, Klavier, Drums, hier eine Mundharmonika und da eine Ziehharmonika – buntes Treiben im Hause Hause.

Rootsrock nennt sich das ganze im PR-Sprech, doch trifft es das eigentlich sogar ganz gut. Klar hört man noch die Punkrock-Wurzeln noch an vielen Stellen (“With You”, “Shaky Jesus”). Dazu kommen aber noch jede Menge andere Einflüsse, die Dave Hause zu seinem eigenen Süppchen zusammenrührt. Mit Billy Bragg, Bruce Springsteen und Chuck Ragan hängt das Label die Namedropping-Messlatte auch nicht gerade niedrig, was für Hause freilich kein Hemmnis ist.

“Bury Me In Philly” ist eine unglaublich abwechslungsreiche Platte geworden: “My Mistake” könnte so auch glatt auf einer Springsteen-Platte erscheinen. Mit “The Mermaid” schließt sich gleich ein Folk-Stampfer vor dem Herrn an, der direkt aus der Wüstenbar am nächsten Kaktus links zu kommen scheint. Das Riffing von “Dirty Fucker” könnte dagegen genauso gut aus der Feder von Keith Richards stammen und niemand würde sich wundern, wenn statt Dave Hause plötzlich Mick Jagger am Mikro erklingen würde. “Divine Lorraine” und “Wild Love” beschwören dann noch einmal pflichtschuldig die Magie des alten Singer/Songwriters Hause – ein angenehmer Ritt in die Vergangenheit.

Bei aller Abwechslung und den großen Einflüssen, die auf „Bury Me in Philly“ mitschwingen, hat es Hause dennoch geschafft, eine Platte wie aus einem Guss abzuliefern. Die Produktion ist angenehm rau, sodass auch die arg poppigen Riffs (z.B. in “My Mistake”) nicht in völlige Beliebigkeit abdriften. Wenn man sich darauf nun einlassen kann, ist “Bury Me In Philly” eine großartige Platte geworden.

Zurück zu “Resolutions” oder gar zu The Loved Ones geht es hier aber ganz bestimmt nicht. Der Zug scheint bei Hause mittlerweile abgefahren. Gut so, denn mit „Bury Me In Philly“ hat er es geschafft eine generationsübergreifende Platte zu schreiben: Sein Drittwerk ist längst nicht nur für Fans seiner alten Alben geeignet. Auch Jünger von Chuck Ragan, Gaslight Anthem und Alkaline Trio werden hier sicher glücklich – und deren Väter, die noch immer von der Stones-Tour 1982 oder dem Springsteen-Konzert 1985 schwärmen.

Autor Tobias Luger
Wohnort Hamburg
Beruf ja
Dabei seit 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Fotos, auch mal Interviews oder Reviews
Top-Alben Shai Hulud - alles rauf und runter, Poison The Well - The Opposite Of December, Bane - Don't Wait Up
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