Dave Hause – Devour

Album Devour
Band Dave Hause
Label Rise Records
Musikrichtung Singer-Songwriter, Rock
Redaktion
Lesermeinung
5

Amerika – eine orientierungslose Großmacht. Aktuell ist das wohl noch einige Nummern zu harmlos ausgedrückt, jeden halbwegs wachen Beobachter der Weltgeschichte dürfte die Entwicklung allerdings kaum überraschen. Bleibt man in diesen Maßen, ist Dave Hause ein hellwacher. Den Beweis tritt er dieser Tage mit seinem zweiten Solowerk an. Allzu fröhlich geht es da demnach nicht zu. Weil sich der Mann aus Philly aber nicht nur als messerscharfer Beobachter „seiner“ Staaten präsentiert, sondern dabei auch von seinen herzerwärmenden Grundtugenden reichlich Gebrauch macht, ist zumindest „Devour“ von einer „great depression“ weit entfernt.

Distanz hält „Devour“ aber zu seinem Vorgänger. War „Resolutions“ noch mehrheitlich in das klassische Akustikgewand gehüllt, tischt Mr. Hause jetzt mit Vorliebe lupenreine Rocksongs auf. In Teilen sollten wir hier ursprünglich ja auch die neue The Loved Ones-Platte hören. Da fällt der Opener „Damascus“ eben gleich mal mit der Tür ins Haus, nachdem er seine Einladung an der Schwelle überbracht hat. “welcome my friends to the show, dance and drink if you’d like or sit back and take notes” Rumhocken dürfte bei dem was folgt eine Herausforderung sein, denn schon “The Great Depression” spielt sich schnell zum hitverdächtigen Ohrwurm hoch, was ihm „We Could Be Kings“ schnurrstracks nachmacht. Gleichzeitig gibt Hause hier in nur vier Minuten eine bestechende Analyse des neoliberalen Zeitgeistes ab. Das ist stark und reichlich ernüchternd. “get what you can for yourself, leave the rest behind, it was freedom forever till the cards got declined”

Optimismus wird hier also nicht groß geschrieben, aber allein der Habitus eines Dave Hause verhindert allzu finstere Stimmung. „well we’ve got the same disease“ – genau und das kleine Energiebündel hat einfach einige der besten Gegenmittel patentiert. Die geballte Leidenschaft, die unstillbare Spielfreude und jetzt neu, das Gespür für die ganz großen Momente. Nichtsdestotrotz spannen „Same Disease“ und „Bricks“ erstmal mit sanfter Melancholie noch den Bogen zur Vergangenheit. Zum Abschluss treffen dann beide „Welten“ aufeinander- Die altbewährte Botschaft steht in Stein gemeißelt und erklingt in neuem, aufpolierten Glanz: “it’s love my friend in the end that can save us tonight, so are you in?“

Bei neun von zehn anderen wäre das härter als hart an der Grenze des guten Geschmackes, aus dem Munde eines Dave Hause schlichtweg verdammt mitreißend – immer und überall. Auf den guten Mann ist eben Verlass, was mit Blick auf Amerika leider auch auf diese Horde Steinzeitler zutrifft. Und das hätte der gute Dave jetzt bestimmt nicht so nett ausgedrückt. Noch so eine Qualität.

Autor Benjamin Fischer
Wohnort Frankfurt
Beruf Redakteur
Dabei seit Juni 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, Redigat
Top-Alben The Gaslight Anthem - The '59 Sound / The National - High Violet & Trouble Will Find Me / Bon Iver - Bon Iver
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