Dead To Me – I Wanna Die In Los Angeles

Band Dead To Me
Musikrichtung Punk
Redaktion
Lesermeinung
5

Musik und Drogen sind bisweilen so eng miteinander verbandelt, dass es manchmal schon interessanter ist, wenn ein Künstler noch kein Stammgast einer Entzugsklinik war oder zumindest das Album in halbwegs nüchternem Zustand entstanden ist. Jüngst hat das auch bei Sum 41-Frontmann Deryck Whibley für ganz neue Sichtweisen gesorgt. Dass die Rehabilitation aber nicht mit einem ersten Werk abgeschlossen ist, weiß der Dead To Me-Sänger/-Bassist Tyson “Chicken” Annicharico nur allzu gut. Denn mit Rückfällen hat er wahrlich schon genug Erfahrungen gemacht. “I Wanna Die In Los Angeles” soll der nächste Schritt auf dem Weg der Besserung sein.

Fünf Jahre sind seit dem letzten Release “Moscow Penny Ante” in die Lande gezogen. Seit dem Abschluss der dazugehörigen Tour war es aber still um die Band geworden. Das Ende der Truppe war freilich nicht der Hintergrund – Annicharico hatte bloß erneut mit Opiaten und Alkohol zu kämpfen. Er gewann und kann nun mit “I Wanna Die In Los Angeles” rekapitulieren. Verschönt wird dabei gewiss nicht, das zeigt schon der Titeltrack.

Auf knapp zweieinhalb Minuten zeigt sich Annicharico selbst eine von Drogen beherrschte Zukunft auf. Wenn er nichts ändert, ja, dann könne er auch einfach sagen, er wolle in Los Angeles sterben. Er hat schon einmal zugegeben, dass es für ihn alles Andere als spaßig ist, den Song zu spielen – die Wahrheit kann nun einmal weh tun. Die Musik tut das nicht: Weiterhin wird schicker, zügiger Punk aller Art geboten. Mal ein wenig rauer Punkrock, dann wieder verspielter Pop-Punk.

Die drei Songs auf neun Minuten stellen die Band dabei aber dennoch jedes Mal in einem anderen Licht dar. “Tune It Out” besticht durch die mehrstimmigen Vocals, die nur so zum Mitgrölen animieren – und das alles in knackiger Kürze. Schlusslicht “Comforting The Disturbed And Disturbing The Comfortable” macht da alles anders. Satte viereinhalb Minuten gibt’s hier auf die Ohren – scheinbar genau passend zum endlos langen Titel. Zu lang ist das aber nicht, die Melodien und von Effekten unterlegte Vocals unterhalten einen auch hier prächtig. Das durchgehend großartige Schlagzeug sowieso.

Es wäre die typische Floskel zu sagen, dass Dead To Me der Welt nach fünf Jahren ruhig mehr als drei Songs hätten präsentieren können – und ja, das wäre nicht einmal gelogen. Und doch ist “I Wanna Die In Los Angeles” der genau richtige Shoutout. Dead To Me gibt es noch und Tyson “Chicken” Annicharico hat sich soweit wieder erholt. Am nächsten Album darf jetzt trotzdem gearbeitet werden.

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