Deaf Havana – All These Countless Nights

Musikrichtung Alternative
Redaktion
Lesermeinung
6

In einer Band zu spielen, muss gerade im Zeitalter der unzähligen Online-Magazine nicht nur Gutes bedeuten. Denn: Wo Aufmerksamkeit herrscht, da wird auch Kritik geübt. Ob Musiker dann tatsächlich primär das schreiben, was sie möchten, oder sich mehr vom gemeinen Pöbel beeinflussen lassen, ist bisweilen die Frage aller Fragen. Letzten Endes kann es eine Band aber ohnehin nicht jedem recht machen. Ob man nun jahrelang den gleichen Brei rührt oder permanent experimentiert – irgendwer hat immer was zu meckern.

Deaf Havana gehören zur letzteren Gruppe. Folk, Punkrock und sogar ein bisschen Post-Hardcore – die Briten haben gefühlt schon alles ausprobiert. Das Besondere dabei: Man hat es ihnen jederzeit abgekauft, nicht ein Genre-Schwenk schien zu gewollt, sondern passte immer wie angegossen. Auf „All These Countless Nights“ wird es nun – vom Albumtitel eigentlich nicht anders zu erwarten – romantisch.

Die Band um Frontmann James Veck-Gilodi hat sich nun aber nicht gleich dem kitschigen Pop gewidmet, sondern schlichtem Alternative-Rock. Deaf Havana ist es gelungen, etwas in die Welt zu entlassen, das durch seine schmucklose Schönheit besticht. „All These Countless Nights“ braucht keine aufwendigen Details, keinen Glitzer, keinen Glamour. Das Album schafft es spielend, sich mit einfachen Dingen von seiner besten Seite zu präsentieren – und das, obwohl der Löwenanteil der Songs musikalisch ziemlich ähnlich klingt.

„All These Countless Nights“ lebt vor allem von seiner Dynamik, von seinem Wechselspiel von ruhigen und explosiveren Parts, die sich perfekt ausbalanciert aneinander schmiegen. Seinen Moment im Rampenlicht hat auf dem Album zwar jeder mal, die meiste Zeit geht es für Deaf Havana allerdings darum, als Band zu funktionieren und sich gegenseitig zu unterstützen – was eben auch manchmal bedeutet, sich zurückzunehmen.

Doch obwohl der Großteil der Songs sehr ähnlich klingt, stechen einige dann doch hervor. „Fever“ und „Sing“ zum Beispiel durch ihre vergleichsweise etwas härtere Gangart, „Happiness“ und „Seattle“ dagegen durch ihre Entwicklung von Akustik- zu Full Band-Tracks. Bei „St. Paul’s“ machen dagegen die überfließenden Emotionen in der Stimme die Musik. Manchmal gesellt sich eben auch zur schlichtesten Schönheit eine Prise Kitsch. Den Brei verdirbt sie in diesem Fall aber gewiss nicht. Sie unterstreicht musikalisch vielmehr das, was „All These Countless Nights“ textlich ohnehin ausmacht: Das Gefühl von Hoffnung neben der allseits präsenten Nostalgie und den Schmerz der verlorenen Liebe.

Deaf Havana können Rock, Folk und sogar Punkrock. Eine Komfortzone scheint es für die Briten nicht zu geben und wenn doch, dann verlassen die Herren diese für jedes neue Werk aufs Neue. Alternative-Rock war zwar bereits im Repertoire der Herren, doch er hat selten schöner geklungen.

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