Deafheaven – Sunbather

Album Sunbather
Band Deafheaven
Label Deathwish
Musikrichtung Metal, Post-Rock
Redaktion
Lesermeinung
7

Black Sabbath veröffentlichten 1970 ihr Debüt und wurden zu den Begründern eines ganzen Genre. Legionen an Musikern sollten ihnen folgen. 2013 schlossen sich die alternden Legionäre nochmals zusammen, um ein weiteres Album folgen zu lassen. Was sie damals mit ihrem selbstbetitelten Erstling losgetreten hatten, war ihnen mit Sicherheit nicht klar. Spannt man den Bogen bis zu Deafheaven und macht sich klar, dass deren Platte ohne Black Sabbath wahrscheinlich nicht erschienen wäre, möchte man den Herren Osbourne, Iommi, Butler und Ward noch heute um den Hals fallen.

Was sich hinter diesem milchig-rosa Artwork verbirgt offenbart sich bereits im Opener „Dream House“ auf unmissverständliche Weise. Neun Minuten reichen Deafheaven aus, um beinahe alle menschenmöglichen Gefühle zu durchleben und sie in einem brachialen Stück Musik zu verpacken. Hallende Post-Rock-Gitarren, George Clarkes beißendes Gekeife und ein Daniel Tracy am Schlagzeug, der sich beinahe überschlägt. Die Trademarks des Black Metal sind vorhanden, dennoch wird „Sunbather“ aber das ein oder andere Corpse Paint verblassen lassen. Was für alte Recken die Demontage eines ganzen Genres bedeuten dürfte, entstaubt die alten Kutten gewaltig. Zwischen den einzelnen Songs bieten Deafheaven dem Hörer immer wieder Verschnaufpausen und diese sind auch nötig um diesen Wahnsinn zu verstehen. Allein das Herzstück der Platte „Vertigo“ nimmt eine knappe viertel Stunde für sich in Anspruch. Dreieinhalb Minuten umarmen einen Post-Rock Klänge bis sich das Lied in ein dramatisches Solo steigert, nur um dann in totales Chaos auszubrechen. Das schmerzt, verbrennt und verstört. Jedoch setzen Deafheaven immer auch die Schönheit zwischen dem Gemetzel in Szene. „Sunbather“ ist das Gefühlschaos zwischen einer innigen Umarmung und dem Messer an der Kehle. Deafheaven haben den Wind gesäht. Zeit den Sturm zu ernten.

Black Sabbath klingen auf ihrer neuen Platte wie 1970. Deafheaven allerdings bewegen sich weiter in Richtung eines ganz eigenen Stils und haben mit „Sunbather“ ein Album geschaffen, dass mit Sicherheit auch über 2013 hinaus relevant bleiben wird. Auch wenn das, was die Kombo aus San Francisco macht für manch selbsternannten Artenschützer an Hochverrat grenzen mag, ist das was bleibt die Musik. Und diese lässt sich nicht wegdiskutieren. Im Falle von Deafheaven: Ausgefeilt, überwältigend und schlichtweg brilliant.

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
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