Death Cab For Cutie – Kintsugi

Album Kintsugi
Musikrichtung Indie, Indie Pop
Redaktion
Lesermeinung
3

Der 13. August 2014. Ein ganz normaler Mittwoch. Und dann diese Nachricht: „Death Cab For Cutie announce the departure of Chris Walla.“ Niemand hat es kommen sehen. Ein Faustschlag ins Gesicht aller Fans. „Deciding to leave the band was not, and is not, easy. It’s really, really sad.” Wallas Statement klang ernüchternd. Zugegeben: Nach 17 Jahren in einer Band ist es verständlich, mehr zu wollen, neue Möglichkeiten auszutesten und auch mal an sich selbst zu denken. Doch direkt nach dem ersten Schock keimte der Horror-Gedanke: Macht die Band auch ohne ihren guten Freund und Produzenten weiter? Immerhin, die Entwarnung kam sofort. Und auf die Entwarnung folgte obendrein die Ankündigung eines neuen Albums.

“Kintsugi” heißt das achte Studioalbum der vier Indie Rocker aus Seattle. Kint – wie bitte? Der Albumtitel beschreibt eine japanische Reparaturmethode für Keramik. Man kann es ungefähr so erklären, als dass man eine kaputte Tasse irgendwie wieder zusammenklebt und in die verbleibenden Lücken Pulver streut. Aha. Woher die Verbindung zwischen Keramik und Indie Rock kommt, weiß keiner so genau. Ist auch nicht so wichtig. Chris Walla jedenfalls wurde erlaubt, sich noch ein allerletztes Mal instrumental auf dem neuen Werk auszutoben. Produzieren durfte er allerdings nicht. Dafür war Rich Costey zuständig. Gute Referenzen hat der auf jeden Fall. Schon bei Muse, Foster The People und Chvrches waren seine Finger im Spiel. Und trotzdem bleibt da eine Angst. Die Angst, dass Death Cab nicht mehr nach Death Cab klingen.

Direkt beim ersten Song erkennt aber die Schöpfer. „No Room In Frame“ enthält alles, was ein guter Death Cab Titel braucht: eine ruhig gezupfte E-Gitarre, ein paar Töne auf dem Klavier und eine einprägsame Melodie, die Gibbard dem Zuhörer sanft ins Ohr schnurrt. „Black Sun“ klingt dagegen wie eine Komposition aus alten Songs der Band. Man nehme die Melodie von „Your Are A Tourist“, die Gitarre von „Meet Me On The Equinox“ und füge ein bisschen Schwermut hinzu und schon hat man einen guten, aber leider schon bekannten Song. „The Ghosts Of Beverly Drive“ ist dann ein Ohrwurm der besonders hartnäckigen Art. Flottes Schlagzeug eine immer wiederkehrende Melodie und ein super einprägsamer Refrain – Suchtpotential garantiert und die Hoffnung auf Hits ähnlicher Güte keimt.

Soweit so gut. Mit “Little Wanderer” ertönen dann die ersten ruhigeren Klänge. Ruhig, aber auch unglaublich langweilig. Von Gibbard, der stimmlich und textlich bisher immer große Balladen geschaffen hat, darf man mehr erwarten. Doch wird es noch schlimmer. Als zweite Ballade hat „You’ve Haunted Me All My Life“ instrumental noch weniger zu bieten und ist einfach nur lieblos in die Platte gequetscht worden. „Hold No Guns“ kommt wiederum nur mit Akustik-Gitarre aus – definitiv schöner als seine Vorgänger, aber haut leider auch nicht vom Hocker. „Everything’s A Ceiling“ klingt mit seinem Synthesizer-Gewurschtel dann nach einem billigen Killers-Abklatsch, bevor „Good Help“ fatalerweise Richtung Indie-Electronic abbiegt. „El Dorado“ folgt diesem Spurwechsel. Hallender Gesang und omnipräsentes Keyboard – eine ganz und gar misslungene Kombination. Nach einem Gewusel an tausenden Effekten („Ingue“) ist man schließlich heilfroh mit „Binary Sea“ endlich am Ende der Platte angelangt zu sein. Ganz nach guter Death Cab-Tradition endet sie mit einer Ballade, die zugleich das Highlight auf „Kintsugi“ ist.

Auf das neue Album von Death Cab For Cutie hatten sich viele gefreut. Die Enttäuschung dürfte umso größer sein. Die vier Musiker haben ihren Sound während der aufnahmen gänzlich verloren. Mit nur drei guten Songs kann man die Platte guten Gewissens einen Reinfall nennen. Deswegen eine ganz große Bitte: Lieber Chris Walla, im Namen deiner drei ehemaligen Bandkollegen und aller Fans flehen wir dich an, deine Entscheidung nochmal zu überdenken. Denn noch so eine Platte ertragen wir nicht!

Kommentare

  1 kommentar

  1. Axe

    Oha, da haben wir anscheinend zwei grundverschiedene Platten gehört. Für mich ein richtig gutes Album, IMO sogar ihr bestes seit „Plans“.

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