Defeater – Abandoned

Album Abandoned
Band Defeater
Musikrichtung Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
5

„Unanswered. Abandoned.“

Zu „Abandoned“ lässt sich nicht allzu viel sagen, denn wie alle Defeater-Platten spricht sie am besten für sich selbst. Derek Archambault erweitert die Geschichten der drei vorangegangenen Alben um eine weitere Figur: einen katholischen Priester, der erst seinen Glauben und schließlich auch seine Hoffnung verliert. Wieder zeichnen die Texte pechschwarze Bilder um Reue, Schuld und Depression. Und wieder bringt Archambault seine vor Verzweiflung triefenden Zeilen mit rauer, gebrochener Stimme zu markerschütterndem Leben.

„I am no one. I am nothing.“

Viele Motive und Metaphern allerdings wiederholen sich: Die Dunkelheit, Einsamkeit, die Hoffnungslosigkeit. Der Alkohol, die Zigaretten, die Drogen. Und im letzten Song schließlich zitiert Archambault direkt die obigen Zeilen aus „Letters Home“. Das lädt zu einer – etwas fruchtlosen – Spurensuche ein: Ist der Priester etwa der Familienvater, der auf „Letters Home“ in den grausamen Wirren des zweiten Weltkrieges versinkt und, zu Liebe und einem normalen Leben unfähig, auf „Travels“ von seinem eigenen Sohn erschlagen wird? Oder ist der Priester der bisher unbekannte Liebhaber von dessen Frau, die sich terrorisiert von ihrem traumatisierten Mann in Drogen und Arme von Anderen flüchtet? Vage Hinweise sind vorhanden, klare Antworten keine – nur der immer schwarze Abgrund, in den auch diese neue Figur immer tiefer sinkt.

„Forgive Me Father, for I am a Sinner.“

Auch musikalisch bleiben große Überraschungen aus. Der Ton ist düster, die Stimmung erdrückend, die Produktion druckvoll und einnehmend. Das Crescendo „Contrition“ schafft zu Beginn einen unaufhaltsamen Sog, danach bestimmt das Defeater-typische Wechselspiel aus knurrenden Midtempo-Passagen und krachenden Hardcore-Parts die Dynamik. Joe Longobardi prügelt die rauen Riffs und getragenen Melodien von Jay Maas und Jake Woodruff gewohnt gekonnt und gnadenlos durch die elf Songs. Der Bass von Mike Poulin gibt den Herzrythmus. Manche Songs greifen auch Melodien aus früheren Veröffentlichungen auf. Das kann man als einfallslos abstempeln oder als Querverweise verstehen, die die Alben auch klanglich verweben.

„Abandoned“ ist musikalisch wie textlich nicht unspannend. Trotzdem stellt sich langsam die Frage, wie oft Defeater die selbe Geschichte noch erzählen und variieren können. Gerade weil unklar bleibt, was die Verbindung des Priesters zu der bisher im Zentrum stehenden Familie ist, bleibt die sonst so zentrale Erzählung etwas unbefriedigend. „Abandoned“ stellt alte Stärken unter Beweis, aber es mangelt an wirklichen Highlights.

Autor Enno Küker
Wohnort Tübingen
Beruf Student
Dabei seit Mitte 2011
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Top-Alben ...kommen und gehen. Immer gut: Bahamas - Pink Strat // Brand New - The Devil and God are Raging Inside Me // Bruce Springsteen - The River // The Chariot - One Wing // Cigarettes After Sex - s/t // Emery - I'm Only A Man // Every Time I Die - New Junk Aesthetic // Godspeed You! Black Emperor - Allelujah! Don't Bend, Ascend // La Dispute - Wildlife // Taking Back Sunday - Tell All Your Friends
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