Defeater – s/t

Album s/t
Band Defeater
Musikrichtung Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
8

Selbstbetitelte Alben deuten meist auf einen von zwei Sachverhalten hin: Entweder handelt es sich um das Debüt oder die Band veröffentlicht ihr erstes Album nach einem Umbruch. Bei Defeater ist Letzteres der Fall – und wie das Cover verrät, wurden die Karten neu gemischt.

„I still stand, I still breathe, while only salt and death surround me. I long still for your arms my love.“

Der Umbruch hatte sich schon früh angekündigt: Bereits kurz nach ihrem 2015-er Album „Abandonment“ gaben die Band aus Boston bekannt, dass sie sich aufgrund persönlicher und kreativer Differenzen von Gitarrist Jay Maas trennen wird. Pikantes Detail: Mit Maas verlor die Band nicht nur einen Gitarristen, sondern auch den Produzenten der beiden Alben „Empty Days & Sleepless Nights“ und „Abandonment“.

Nach langen Touren, Drogenmissbrauch und dem Rauswurf eines jahrelangen Mitglieds benötigte die Band erst einmal eine Pause, so ihre Plattenfirma Epitaph. Nach ein paar Monaten Auszeit konnten die Jungs ihre Arbeiten wieder aufnehmen. Ersatz an den Seiten wurde unlängst mit dem Australier Adam Crowe gefunden. Erheblich prominenter besetzt ist jetzt allerdings die Stelle des Produzenten, denn hinter den Reglern nahm kein geringerer als Will Yip Platz, der sich durch seine Zusammenarbeit mit Gruppen wie Quicksand, Turnstile, Pianos Become The Teeth, La Dispute – die Liste ließe sich noch sehr viel weiter fortsetzen – in Sachen Hardcore und Post-Hardcore einen Status als Koryphäe erarbeitet hat.

Tatsächlich geht das Konzept auf: Defeater präsentieren auf ihrer neuen Platte ein paar der energiegeladensten Songs ihrer Bandgeschichte. Eine tragende Rolle spielt dabei Joe Longobardis abwechslungsreiches Schlagzeugspiel, das den Liedern zu einer ganz neuen Dynamik verhilft. Die Gitarren hingegen operieren noch immer mit viel Hall und eingängigen, melodischen Parts, während Derek Archambaults Geschrei weiter in den Hintergrund rückt, aber dennoch ständig an der Leistungsgrenze operiert.

In „Defeater“ steckt viel Herzblut, das auch durch die Textzeilen fließt, die noch immer von Tod, Sehnsucht und Alkohol handeln – und einen derart ergreifen, dass man am liebsten selbst zur Flasche greifen und lauthals „We drink to those lost at sea and never made it off the beach; to those who won’t make it home, buried in the salty deep.“ mitgrölen möchte als gäbe es kein Morgen. Und eben dieser Song „Mothers‘ Son“ ist so exemplarisch für dieses Album: Wie das Schlagzeug den Song vorantreibt, die Gitarren feine Melodien spinnen, der Bass in seinem Solopart den Song weiter nach vorne peitscht und der Gesang die Emotionen zum Überkochen bringt. Eben dieser Song mit diesen Textzeilen steht nur hier als Beispiel für dieses Album, das zwischen laut und leise, schnell und rasend, gefühlvoll und voller Wut alles kann und mit jedem Durchlauf noch weiter wächst.

Wer auch immer die Karten für Defeater neu gemischt hat, hatte ein glückliches Händchen. Ihr selbstbetiteltes Album führt die Geschichten fort, welche die Band seit Jahren erzählt – allerdings mit ganz neuem Elan und viel Esprit in ihrem Sound. Willkommen zurück bei den Speerspitzen um La Dispute, Touché Amoré und Pianos Become The Teeth.

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
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