Dendemann – da nich für!

Band Dendemann
Musikrichtung Hip Hop
Redaktion
Lesermeinung
7

Es war schon ein Running Gag in der ZDFneo-Show „Neo Magazin Royale“: „Wann kommt denn eigentlich dein neues Album, Dende?“, fragte Jan Böhmermann den Rapper nicht nur einmal. Schlagfertige Antwort von Dendemann: „Bald.“ Nun ist es endlich soweit und es klingt, als wäre der 44-Jährige nie weggewesen – immer noch auf der Mission, den deutschen Rap ein bisschen besser zu machen. Natürlich spielt auch er mit Auto-Tune und Trap-Beats, setzt diese Stilmittel jedoch sehr gezielt sein. Größtenteils sind es die Oldschool-Beats und klassische Samples, die „da nich für!“ beherrschen.

Und ja, auch bei Dendemann geht es um Frauen, Geld und Partys. Doch anders als im Proll-Rap erzählt Dendemann nahbare Geschichten von seinen Erlebnissen – und das sprachlich sehr gewandt. So zum Beispiel auf „Alle Jubilare wieder“, einem Duett mit keinem Geringeren als Casper: „Wann kommt der Filmriss, wo bleibt der Rollentausch? Denn ohne den verlassen wir die Party nie, denn ist das letzte feuerwasserdichte Alibi. Das ist menschlich. Alle Jubilare wieder, fallen die Feste, wie sie fallen.“

Doch Dendemann wird auf seinem Album vor allem auch politisch. „Keine Parolen“ beispielsweise handelt vom Verhalten der Gesellschaft: „Ja, unser Rückgrat ist stufenlos verstellbar. Wenig Ehre, viel Desinteresse. Kaum Anstand, aber Gästeliste. Wir wollen keine Prinzipien, keine Parolen.“

In „Menschine“ geht es darum, wie Maschinen auf unser Leben Einfluss nehmen, wir uns nach ihnen richten und sogar unsere Zukunft aufs Spiel setzen. In einem Loop hallt der eindringliche Satz „Wenn die Leute wie Maschinen nur noch für die Arbeit leben“ mit dem Geräusch einer Dampfmaschine durch den Song. In „Zeitumstellung“ fordert der Rapper ein Umdenken: „Endlich Zeit, um Stellung zu beziehen. Ring nicht um Haltung, tanz mit den Windmühlen.“

Partymusik kann er freilich ebenso, was mit „Littbarski“, einem Duett mit dem Chemnitzer Rapper Trettmann gekonnt unter Beweis gestellt wird. Und auch eine Ode an seine Vergangenheit und seine Herkunft darf mit „Wo ich wech bin“ nicht fehlen: „Wohin auch geh, dis ich wo ich wech bin. Woher ich auch komm, sicher nicht von Schlechten. Du kriegst mich aus dem Dorf, doch das Dorf nicht aus mir.“

Das Warten auf das neue Dendemann-Album hat sich also gelohnt. Dass seine Musik nicht mehr wie die aus Zeiten von „EinsZwo klingt“, dürfte jedem einleuchten – und da der gereifte Dendemann nach wie vor liefert ist das auch mehr als verkraftbar.

Autor Denise Frommeyer
Wohnort Mainz
Beruf Online-Redakteurin
Dabei seit November 2014
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