Destination Anywhere – Bomben

Album Bomben
Musikrichtung Pop Punk, Ska
Redaktion
Lesermeinung
5

Es kam ja schon öfter vor, dass Bands aus dem deutschsprachigen Raum ihre Texte auf Englisch formulierten, später dann aber das Ganze verwarfen, um doch auf Deutsch zu performen. Eine dieser Bands sind Destination Anywhere. Bereits seit 2006 ist diese achtköpfige Gruppierung nun schon aktiv und hat seitdem vier Alben auf den Markt geworfen. Der Schwenk zur Muttersprache wurde auf Nummer drei („Hier Ist Godot“) vollzogen.

Die Siegener haben ihren Weg gemacht, ohne großartige Promo oder gar Chartplatzierungen. Nachdem vom ersten Longplayer, „Sobstuff, Tales & Anthems“, 5000 Exemplare verkauft und über 15000 Downloads umgesetzt wurden, kam es 2012 zum großen Auftritt bei Rock am Ring, den sie sich durch den Sieg beim Ringrocker Bandcontest erspielt hatten.

Nun also „Bomben“ und auch hier erwartet einen das bekannte Potpourri aus punkig-poppigen Ska-Songs, die zum Großteil von Außenseitern, Einzelgängern, Boys und Girls handeln. Doch auch die gereizte politische Stimmung im Land konnten die Herren diesmal nicht unkommentiert lassen. So deutlich haben die Siegener jedenfalls noch nie ihre Meinung kundgetan.

„Bomben“ beginnt zunächst ganz unaufgeregt mit dem heimlichen Hit des Albums „Dancefloor“. Ein schöner, eingängiger Text zu der passenden Ohrwurm-Melodie. Punkig, flott und mit ordentlich Bläsereinsatz, so kennt und schätzt man Destination Anywhere. Sehen lassen kann sich auch der Rest des Albums.

„Astronaut“ ist zum Beispiel gleich mal charakterlich eine durchschnittliche Nummer, die man kein bisschen mögen muss, aber vielleicht irgendwann ein bisschen mögen kann. So in etwa singen es Destination Anywhere in dem Song über einen sehr durchschnittlichen Typen, um die Wortwahl zu erklären.

Über „Aussenseiter“, „Man On The Moon“ und „Dying Over Here“ geht’s dann zum wichtigsten Lied dieser Platte: „Behindert Sein Ist Schwul“. Aufgebaut aus ebenso flapsigen wie dämlichen Sprüchen, die an jeder Klowand in Schulen oder auf Raststätten zu finden sind oder eben aus den tiefsten Abgründen von AfDlern.

„Behindert sein ist schwul – Frau und Technik, Frau und Technik. Man weiß doch nie, was ein Moslem wirklich denkt! Spare Wasser, trinke Bier. Spare Wasser, trinke Bier.“

Die Idee zu dem Song ist ebenso kreativ wie genial und musikalisch ist er auch exzellent untermalt. Nicht zu hart, nicht zu laut, nicht zu schnell, so dass der Kern des Songs – die Lyrics – bestens hervor stechen. Danach geht es wieder weiter mit den Teeniesongs, die vor allem beim sommerlichen Grillabend für die richtige musikalische Untermalung sorgen dürften, gemischt mit den teilweise kritischen Texten, wie zum Beispiel in „Monster“.

Einmal mehr haben es Destination Anywhere geschafft eine gute Mischung aus Punk, Pop und Ska hin zu bekommen und das Ganze mit eingängigen Texten und Melodien zu versehen. Obendrein kann man sich an „Bomben“ mit 12 Tracks auf fast 40 Minuten Spielzeit auch etwas länger erfreuen, als es im Genre sonst üblich ist.

 

 

Autor Tobi van de Wildmannen
Wohnort Tacherting
Beruf Monteur (Mobilfunk)
Dabei seit September 2016
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