Deutsche Laichen – s/t

Album s/t
Label Zeitstrafe
Musikrichtung Punk
Redaktion
Lesermeinung
7

Auf den ersten, flüchtigen Blick suggeriert das Cover-Art-Work von Deutsche Laichens Debüt sonnigen Pop von einer übergestylten Indie-Combo. Wie so oft verrät ein genauerer Blick aber viel mehr. Die Musik dazu verschleiert allerdings nichts. Hier wird Tacheles geredet.

„From now on I’ll misbehave!“

Zugegeben: Der Einstieg vom Opener „For a Start“ blendet noch kurz, bis ein Schrei die Tür auftritt: „Rise“! Um den heißen Brei herumzureden, liegt Deutsche Laichen nicht. Nette Umschreibungen noch weniger! Weder in Deutsch noch in Englisch. Das Wort, das eine Situation am besten beschreibt, ist immer genau das passende.

Das stellt „Emanzenlesbenschlampe“ unmissverständlich klar. Untermauert werden die rotzfrechen und gleichzeitig ausdrucksstarken Texte von polterndem Asi-Punk. Das macht Freude. Stumpf ist es deshalb keinesfalls. Die Band bekommt immer rechtzeitig den spielerischen Bogen, um ihre Songs nochmal aufzuwerten. Das klingt dann nach Proberaum, nach Gift und Galle und nach einer unnachgiebigen Haltung. Und das ist genau die Art, wie man sich cis-Machos und anderen unerwünschten Gesellen am besten in den Weg stellt.

Natürlich drängt sich der Vergleich mit Genre-Kolleginnen wie War on Women, Rauchen oder Petrol Girls auf und ganz sind einige Gemeinsamkeiten auch nicht von der Hand zu weisen. Allerdings haben Deutsche Laichen diesen Bands voraus, dass ihre Songs einem unentwegt und fast schmeichelnd ihre Provokationen unter die Nase reiben. Hallo! Aufgewacht! Das ist grandios! Das ist richtig und wichtig.

Umso schöner, dass der teilweise mehrstimmige Gesang so unverschämt gut ins Ohr geht, dass man tagelang nichts anderes mehr hören möchte. Auch starke Gefühle („Du bist so schön , wenn du hasst“) und Mut zu mehr Selbstbestimmung („My Cunt my business „) finden ihren Platz auf diesem Debüt, dass sowohl textlich als auch musikalisch brilliert. Und dann ist da noch dieser sensationelle Team-Dresch-Moment mit „Von Mackern in Pumas“. Wahnsinn! 

Deutsche Laichen machen auf ihrem Debütalbum alles richtig, liefern ungeschliffenen, rotzfrechen Punkrock, der die Messages der Songs nicht besser transportieren könnte. Die fällige Backpfeife, die es manchmal so dringend braucht – mit frechem Augenzwinkern versteht sich. Genauer hinzuschauen/hinzuhören lohnt sich oftmals eben doch.

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
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