Disco Ensemble – Afterlife

Album Afterlife
Musikrichtung Alternative
Redaktion
Lesermeinung
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20 Jahre ist es nun her, dass Disco Ensemble zum ersten Mal auf einer Bühne standen – damals noch als DisCo. Hinter dem Namen steckte die Idee, dass es doch witzig sei, wenn die Leute Dance, Hip-Hop und Co. erwarten würden, sie stattdessen aber Punk und Hardcore zu hören bekämen. Ungefähr so, als würde sich heutzutage eine Band als „Tonight: Justin Bieber Secret Gig“ betiteln. Zur allgemeinen Enttäuschung hat sich die Truppe dennoch nicht entwickelt, sie wurde vielmehr zu eine der Größen der finnischen Punk-Szene.

Bis 2012 konnten Disco Ensemble fünf Alben unter die Leute bringen, wurden als die beliebteste Alternative-Band Finnlands gehandelt und durften einige der größten europäischen Festivals bespielen. Nach ihrem Beitrag zum Soundtrack von Til Schweigers „Kokowääh 2“ wurde es dann aber still um die Band und Sänger Miikka Koivisto und Gitarrist Jussi Ylikoski widmeten sich als Hisser beziehungsweise Big Pharma eigenen Projekten. Nun, etwa vier Jahre später, ist das Quartett mit „Afterlife“ zurück und findet sich damit genau da wieder, wo schon die letzten Platten hinwollten: In den Untiefen des Mainstream.

Der kratzige, raue, laute Hardcore schien zwar bereits beim Vorgängeralbum „Warriors“ Geschichte zu sein, doch würde man die Truppe erst jetzt kennenlernen, man hätte ihn nie mit ihr in Verbindung gebracht. „Afterlife“ besteht schlicht aus stadionreifen Alternative-Rock, der zeitweise auch von Biffy Clyro und Konsorten stammen könnte. Das ist sicherlich keineswegs schlecht. Die Songs sind trotzdem absolut belanglos – und in Anbetracht dessen, dass die Stimme bei wirklich jedem einzelnen Track gleich klingt, leider auch vollkommen austauschbar.

Werden die Elektro-Beats beim Titeltrack auf die Spitze getrieben, könnte „Nothing More“ das neue Musterbeispiel für ein Stück Musik mit zwanghaftem Verkaufswunsch sein. „Das Boot“ klingt daraufhin zumindest beim ersten Anspielen angenehm anders. Das Elektronische scheint zwar auch hier zu dominieren, durch den piratigen Charakter sticht er aber immerhin hervor. „Hardcore People“ bietet dagegen leider mehr Pop-Rock als tatsächlichen Hardcore. Einen Ausflug in die glorreiche Vergangenheit soll es wohl einfach nicht geben.

Auf irgendeine Weise wollen Disco Ensemble mit „Afterlife“ aber trotzdem immer noch aufregend sein und die „härtere“ Gangart fahren. Bloß haben sie sich komplett im radiotauglichen Mainstream verirrt, den auch schon ihre Landsleute von Sunrise Avenue perfekt beherrschen. Allerlei Elektro-Beats, vorhersehbare Gitarrenmelodien und eine biedere Stimme. Dazu noch wohlkalkuliert plazierte „besondere Momente“, die bei den Hörern wahrscheinlich für Gänsehaut sorgen sollen, jedoch nur müdes Aufstöhnen zur Folge haben. Disco Ensemble haben sich von einer Größe des finnischen Punk endgültig zur Mainstream-Leiche entwickelt.

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