Donots / Adam Angst – Split

Album Split
Musikrichtung Punk
Redaktion
Lesermeinung
5

In einer Zeit, in der für den Brexit gestimmt wird, Trump der mächtigste Mann der Welt ist und die politische Rechte in Europa erstarkt, kann man vieles nur noch mit einer gewissen Portion Selbstironie betrachten, um nicht vollends den Verstand zu verlieren. Mit ihrer gemeinsamen Split machen zwei der besten deutschen Punk-Bands nun genau das – sich über Kleinigkeiten beschweren. Dass sowohl die Donots, als auch Adam Angst Größeres im Blick haben, ist bei ihnen ohnehin klar.

Sprechen Adam Angst dabei noch sehr durch die Blume – Sänger Felix Schönfuss beklagt sich über andere Verkehrsteilnehmer und schlechtes Internet – sind die Donots da schon deutlicher und kritisieren unter anderem Religionskriege („Keiner kommt hier lebend raus“). Was dagegen bei beiden Songs bereits unmissverständlich durchdringt: Irgendwann neigt sich alles dem Ende zu und derjenige, der da noch wartet, ist niemand Geringeres als Gevatter Tod. Würde man sich das offensichtliche Ende seines Lebens öfter vor Augen führen, man würde sicherlich anders durchs Leben gehen. Vielleicht auch mit mehr Verständnis für den Ober, der das Essen noch nicht al dente zu Tisch gebracht hat (Adam Angst, „Wir werden alle sterben“).

Musikalisch bieten die Bands derweil ihre Hauskost an: Schicke Melodien, die druckvoll nach vorne gehen. Mit der unschuldigen Melodie einer Kinderspieluhr in Intro und Refrain warten Adam Angst allerdings noch mit einem kleinen Gimmick auf. In Kombination mit Schönfuss‘ Stimme könnten diese Stellen auch Teil eines Psycho-Thrillers mit Kindern in der Hauptrolle sein.

Sowohl die Donots, als auch Adam Angst gehören zu den Bands, von denen erwartet wird, dass sie zu gesellschaftlichen und politischen Aktionen Position beziehen – privat und natürlich auch in ihrer Musik. Dass sie dabei außerdem auf die Intelligenz ihrer Hörerschaft vertrauen, war von Anfang an die richtige Entscheidung. „Nazis sind scheiße“-Metaphern und irgendwelche Parolen kann niemand mehr hören und werden ohnehin viel zu schnell langweilig. Clevere Texte sind da schon die bessere Lösung. Ein bisschen deutlicher und weniger Interpretationsmaterial wäre dennoch nicht schlecht gewesen.

Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
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