Donots – Lauter Als Bomben (Doppelreview)

Band Donots
Musikrichtung Punk
Redaktion
Lesermeinung
6.75

Die Geschichte der 1993 gegründeten Donots aus Ibbenbüren ist mittlerweile schon einen eigenen Artikel wert. Seit ihrem Erstling „Pedigree Punk“ ist schließlich viel passiert. Neben dem Wandel einer Poppunkband mit englischen Texten zu einer eher politischen Punkrock-Truppe in deutscher Sprache haben sich die Donots auch in den Charts etabliert und rocken mittlerweile die großen Bühnen der angesagtesten Festivals. Geschadet hat ihnen all das freilich nicht. Das erste deutschssprachige Album des Quintetts („Karacho“) ist in Augen vieler gar das beste, was die Band überhaupt auf der Habenseite hat.

Für „Lauter Als Bomben“ liegt die Messlatte also hoch, schon der Titel verspricht viel. Ganz halten kann er es allerdings nicht und an den Vorgänger knüpfen die Jungs zwar an, erreichen aber dessen Niveau nur selten. Der Reigen beginnt mit „Geschichten Vom Boden“, einer punkigen Nummer, die sogar in etwas schnellerem Tempo zwischendurch etwas mehr Fahrt aufnimmt. Beim nächsten Stück wird allerdings schon wieder auf die Bremse getreten: „Keiner Kommt Hier Lebend Raus“ startet lauter als Bomben und beschäftigt sich mit der selbstzerstörerischen Lebensweise des Menschen. Ganz anders „Rauschen (Auf Jeder Frequenz)“ – der Track klingt dann plötzlich irgendwie nach 80s. Abwechslung reinbringen, das können die Herren eben.

„Setzt das beste Lächeln auf, keiner kommt hier lebend raus, die Steinzeit gibt’s jetzt digital, das Mittelalter nuklear“

„Aschesammeln“ als recht punkige Nummer und ein eher ruhiges „Alle Zeit Der Welt“ führen einen zu „Whatever Forever“ – und der Song schleudert einen einige Jahre im Punkrock zurück. Nämlich in die Zeit als „Randy“, „The Hives“ und deren Ableger ihre Hochzeit hatten. Schicke, einfache Riffs und fertig ist der Gassenhauer. „Das Dorf War LA“ könnte man dagegen auch auf einem Grand Hotel Van Cleef-Sampler erwarten und „Eine Letzte Runde“ klingt musikalisch so, wie es der Text suggeriert: Mit The Clash gekommen und geblieben, das letzte Wort haben die Ramones.

Mit „Gegenwindsurfen“ und „Apollo Creed“ wird es noch mal punkiger, bevor gefühlt ein Weezer-Song wartet. Sound und Tempo erinnern doch sehr an „In The Garage“. Die Mundharmonika am Anfang von „Der Trick mit dem Fliegen“ und der Garagensound provozieren den Vergleich geradezu. Schlimm ist das freilich keineswegs.

Den Donots ist mit „Lauter Als Bomben“ ein gutes Album gelungen, das nach „Karacho“ definitiv keine Enttäuschung ist. An den Vorgänger kommt es nicht ganz heran, aber das ist keine Schande. Schließlich war „Karacho“ einfach ein Meilenstein der Bandgeschichte. Grundsätzlich steht den Jungs das deutschsprachige Gesicht sehr gut und macht ihre politische und soziale Einstellung besser für alle Leute verständlich. Obendrein kommt auch die Qualität im Songwriting und ihre textliche Raffinesse besser rüber. Nicht nur Donots-Fans dürfen sich freuen.

(5/8) – Tobi van de Wildmann

___________________________________________________
Die Donots haben es geschafft: Mit einer waghalsigen Mischung aus Risiko, Naivität, Wahnsinn und Leidenschaft sind die fünf Männer den Weg gegangen, für den sie sich vor Jahren entschieden hatten. Das Ibbenbürener Quintett ist der Beweis, dass man mit seiner Band in der großen Welt für genauso viel Aufregung sorgen kann wie in der dörflichen Heimat, wenn man denn nur genug Ehrgeiz an den Tag legt. Das Erfolgsgeheimnis: Melodische Hooks, Authentizität und eingängige Texte – woran sich seit ihrem Muttersprach-Debüt mit „Karacho“ 2015 nichts geändert hat.

Auch der nächste Longplayer „Lauter als Bomben“ ist nun komplett auf Deutsch getextet. Überwältigt vom Feedback zu „Karacho“ entschieden sich die Donots so nicht etwa dazu, ein gemischtsprachliches Werk zu schreiben, sondern wollten genau dort weitermachen, wo sie aufgehört hatten. Eine Weiterentwicklung gab es trotzdem – obwohl sie wahrscheinlich nicht für jeden direkt ersichtlich ist.

Nachdem ihre politische Einstellung in der Zeit der englischen Alben vor allem durch ihr Engagement außerhalb der Musik deutlich wurde, sind die deutschen Lyrics nun ein weiteres Ventil, mit dem sie angestauten Ärger und Frust in die Welt hinausschreien können. Dezent raffiniert außerdem, denn bei „Lauter als Bomben“ gibt es keinen wirklichen Titeltrack, sondern gleich zwei indirekte – „Keiner kommt hier lebend raus“ und „Rauschen (Auf jeder Frequenz)“. Mit den unterschiedlichen Thematiken – das Gerede kriegstreiberischer Politiker und das Gefühl zu wissen, man ist trotz vieler schlechter Dinge nicht alleine – wird so auch gleich die lyrische Vielfalt gezeigt. Trotz aller Deutlichkeit wie „erzähl mir nichts von Frieden; wir legen die Waffen doch nur nieder, um größere zu nehmen“ („Keiner kommt hier lebend raus“) ist das Plakative noch immer weit entfernt – zum Glück. An Ohrwurmpotenzial mangelt es trotzdem selten.

„Lauter als Bomben“ ist aber dennoch kein politisches Album in Reinform. Sympathisch sind die Donots seit jeher schon deshalb, weil sie gerade auch persönlichen Themen einen besonderen Duktus verleihen können. „Das Dorf war L.A.“ ist zwar gerade mal 70 Sekunden lang, fängt die großen Gefühle aber mit dem ersten Ton ein. Warme Gitarren und nur die Stimme Guido Knollmanns. Eine Erinnerung an die Zeit, in der man nur eines sein wollte: Anders als alle anderen. Eine Hommage an die Zeit als Dorfpunk in dem kleinen münsterländischen Ort namens Ladbergen.

Das Dorf war L.A. und wir eine Gang, für mich wird sich nie was ändern, niemals getrennt, ihr habt mich so hart geprägt.

Für Aufregung sorgt mitunter aber noch Anderes: Ein Vocal-Feature mit Jan Windmeier von Turbostaat beispielsweise („Gegenwindsurfen“) oder der kurze Einspieler bei „Das alles brauch ich jetzt“. Gitarrist und Sänger Guido wollte daheim nur eine Aufnahme machen, da kommt seine kleine Tochter hinein und fängt zu singen an. Weggeschnitten wurde es nicht, vielmehr einfach integriert. Denn nicht nur Freunde und Familie durften sich auf „Lauter als Bomben“ austoben, sondern vor allem auch Produzent Kurt Ebelhäuser. Eine seiner skurrilen Ideen: Das Ende von „Das alles brauch ich jetzt“, das Outro des gesamten Albums, sollte nur aus Gitarrensoli bestehen. Weil es aber langweilig wäre – so zumindest sein Gedanke – nur die beiden Gitarristen spielen zu lassen, bekam jedes Mitglied acht Takte – und jeweils nur einen Versuch.

Ganz genau das ist es, was die Donots seit jeher ausmachen: Sie versuchen stets etwas Neues, sind gespannt auf externen Input und nehmen sich Feedback zu Herzen. Ob das Ergebnis am Ende der breiten Masse gefällt, spielt dabei keine Rolle. „Lauter als Bomben“ wird nun ebenfalls keineswegs jedem in die Hände spielen. Doch es lässt sich nicht bestreiten: Für das, was es ist, ist es gelungen.

(6/8) – Leonie Wiethaup

Autor Tobi van de Wildmannen
Wohnort Tacherting
Beruf Monteur (Mobilfunk)
Dabei seit September 2016
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, Berichte
Top-Alben Pascow - Diene der Party, H2O - Nothing to prove, Muff Potter - Bordsteinkantengeschichten, NOFX - Punk in drublic, Wizo - Uuaarrgh!
Die besten Konzerterlebnisse PunkRockHoliday, Groezrock, Free & Easy

Hinterlasse einen Kommentar