Dream On Dreamer – Songs Of Solitude

Label /
Musikrichtung Post-Hardcore, Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
6

Grelle Sonnenstrahlen, Schweiß rinnt über das Gesicht, auf der Suche nach Wasser und Zivilisation robbt man verzweifelt über den staubigen Wüstensand. Man findet – nichts. Doch ab und zu sieht man von weitem vielversprechende Wasserstellen. Diese entpuppen sich aber bei näherer Betrachtung leider oft nur als Fata Morgana. Diese Szene dürfte jedem aus irgendeinem Hollywood-Film geläufig sein. Allerdings finden sich seit paar Jahren auch immer öfters Hörer aus dem Core-Bereich in dieser Situation wieder: In der großen Wüste der vielen Bands die oft anscheinend nichts wirklich Neues machen und sich alle viel zu ähnlich klingen. Die Australier Dream On Dreamer scheinen da der erlösende Lichtblick. Aber sind sie wirklich eine erquickende Wasserstelle oder doch nur die nächste Fata Morgana?

Weder noch! Sie sind eine lebendige Oase. Eine Oase die keine Grenzen kennt und immer weiter in die Wüste ragt. Denn diese Band lässt sich von vorne rein nicht in enge Genre-Corsagen schnüren. Sie wollen einfach Musik machen, die ihre Emotionen am besten ausdrückt und nehmen sich dabei jede Freiheit. So kommt dabei ein Mix aus Post-Hardcore, Mathecore und Pop bei raus. Wenn man ihn denn überhaupt klassifizieren will. Denn hier handelt es sich einfach nur um gute Musik, die sich etwas traut. Kreative, frische Songanfänge, experimentelle Outros und synthetische Gitarren, die zur Höchstform auflaufen, bilden eine perfekte homogene Masse, bei der alles stimmt. Allerdings ist das eigentliche Highlight dieser Platte der Gesang. Besser gesagt das Zusammenspiel des gutturalen Gesangs von Sänger Marcel Gadacz und des Klargesangs von Gitarrist Zachary Britt. Beide Stimmen ergänzen sich gut und die Übergänge sind wie aus dem Lehrbuch, sodass sich hier ein ganz eigener, brillanter Stilmix bietet.

Anfangs mag Britts Stimme noch wie die eines 0815-Pop-Punk-Sängers klingen. Aber nach kurzer Zeit entfaltet sie ihre volle Kraft. Gut ist, dass dieser Stimme auch der nötige Raum geboten wird. So ist die erste Minute des Songs „Snowpiercers“ ein Duett aus Gitarre und Stimme. Dies klingt so warm und intim, dass man glaubt Sänger Britt wäre neben einem im Raum. Beim Rausschmeißer „Violent Pictures“, der anders als der Titel vermuten lässt, ein ruhiges Zusammenspiel aus Stimme, Klavier und Akustikgitarre ist, eskaliert das Ganze. Sänger Zachary Britt gibt einfach alles. Von dieser gewaltigen Stimme können sich gerne einige Sänger zwei Scheiben abschneiden.

(Fast) jeder, der in der Wüste herumirrte, hat mit „Songs Of Solitude“ definitiv einen der erfrischenden Winde des modernen Cores gefunden. Voraussetzung ist allerdings, dass man für Experimente und eine Menge Klargesang offen ist. Ist das der Fall, so wird man hier von Anfang bis Ende mit einem vor Atmosphäre triefendem Album belohnt.

Autor Aaron-Corin Hane
Wohnort Lüneburg
Beruf Student
Dabei seit März 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews
Top-Alben Stick To Your Guns - alle Releases seit Hope Division, Black Sabbath - Paranoid, Dream Theater - Train Of Thought, The Beatles - Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band, Parkway Drive - Atlas, Idles - Brutalism
Die besten Konzerterlebnisse Tour Of The Year 2014; Taste Of Anarchy Tour 2015; Summer Breeze 2014; Destruction Derby 2015

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