Editors – Violence

Album Violence
Band Editors
Musikrichtung Indierock
Redaktion
Lesermeinung
3

Einnehmend, spannungsgeladen, düster und doch mit großer Tiefe: So haben viele Fans die Musik der Editors in Erinnerung. Songs wie „Munich“, „Papillon“ oder „All Sparks“ durften und dürfen bis heute auf keiner Indie-Rock-Party fehlen. Schon bei ihrem Album „The Weight of your Love“ zeichnete sich eine eher unschöne Entwicklung zum Mainstream hin ab, die sie mit dem Nachfolgeralbum wieder etwas abfedern konnten. Mit dem neuesten Werk „Violence“ aber sind sie wieder im Stadion-Rock angekommen.

Auf neun Songs gehen die Editors nicht gerade zimperlich vor und überrollen den Hörer mit ihren nicht ganz so neuen Einflüssen. Schon der erste Song „Cold“ erinnert mit dem übermäßigem Einsatz von Chören fast schon an das vorherrschende Deutsch-Pop-Klischee à la Max Giesinger und Mark Forster – perfekt, wenn tausende Menschen mitgrölen sollen, Ansonsten mischen die Briten vor allem Synthie-Einflüsse, bisweilen poppige Gesangslinien (gerne auch von Backgroundsängerinnen wie auf „Magazine“) und manchmal schimmert sogar etwas Indie-Rock durch. Damit erinnern sie, wie auch schon auf „The Weight of your Love“, an die späteren Werke von Bands wie Coldplay und Depeche Mode – eine Entwicklung vom individuellen zum Massenprodukt, die auch Bands wie The Killers, Bloc Party oder The Wombats durchgemacht haben. Insgesamt ist von dem noisigen, kratzigen Sound wahrlich nicht mehr viel übrig; brav, berechnend und glatt präsentieren sich Tom Smith und seine Bandkollegen.

Und doch gibt es auch Lichtblicke. „Nothingness“ versprüht wenigstens ein kleines bisschen experimentellen Editors-Sound und auch der gefühlvolle Abschlusstrack „Belong“ reiht sich mit seinem Tiefgang ein und lässt hoffen, dass die Band vielleicht wieder etwas vom Mainstream abkommt.

Textlich reißen die Editors den Hörer auch nicht unbedingt vom Hocker. Bis zum Ohrenbluten wird so manche „Textzeile“ wiederholt („Ohohohohohohoho … Violence“), und auch sonst findet sich kaum Tiefgängiges. Und ein Song wird sogar gewissermaßen recycled: „No Sound but the Wind“ erschien 2009 auf dem Soundtrack zum Vampir-Film „The Twilight Saga: New Moon“. Auf „Violence“ erhält der Track ein neues Gewand, ist deutlich geglättet – schade, denn in der alten Version war der Song mit den etwas dissonanten Klavierpassagen deutlich ungestümer.

Zu glatt und geradezu langweilig: Mit ihrem neuen Album können die Editors Fans eher nicht überzeugen, vielleicht aber Radiomacher und Festivalveranstalter. Für die große Stadiontour, die nun endlich folgen könnte, ist dieses Album definitiv geeignet.

Autor Denise Frommeyer
Wohnort Mainz
Beruf Redakteurin
Dabei seit November 2014
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